Flughäfen

Einsame Startbahn


Regionalflughäfen verlieren Passagiere und Airlines

Köln. Fast wie ausgestorben liegt er da, der Flugplatz Altenburg in Thüringen. „Wir mussten 50 Leute entlassen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Grahmann. Denn Ryanair, die einzige Fluglinie, die von da aus Passagiere beförderte, hat Altenburg den Rücken gekehrt. Ende März ist die letzte Maschine nach London gestartet.

Künstlich am Leben gehalten

Mit der Einführung des Sommerflugplans im April hat die irische Gesellschaft zahlreiche Verbindungen gekappt. Seitdem geht es vielen Regionalflughäfen in der deutschen Provinz schlecht, die vor allem auf Ryanair gesetzt hatten.

In Weeze bei Düsseldorf fallen 13 planmäßige Flüge weg. Der Flughafenbetreiber dort rechnet mit einem Passagierschwund von 25 Prozent. In Lübeck wurden schon in der vergangenen Saison Verbindungen gestrichen.

Und in Frankfurt-Hahn, an der wichtigsten deutschen  Ryanair-Basis, verzichtet die größte Billigfluglinie Europas auf neun Linien. Die Schuld an der Ausdünnung gibt sie der Bundesregierung, die zu Jahresbeginn die Luftverkehrsteuer eingeführt hatte – 8 Euro plus Mehrwertsteuer für Kurzstreckenflüge.

Der Flughafen-Verband ADV teilt die Kritik an der Regierung: „Das Wachstum im deutschen Luftverkehr wird durch die Luftverkehrsteuer spürbar gebremst. Es bleibt hinter der europäischen und weltweiten Entwicklung zurück“, so Verbandssprecherin Heike van Hoorn. Doch das ist nur ein Teil des Problems.

Den anderen Teil benennt Eric Heymann, Luftverkehrsexperte der Deutschen Bank Research: „Auch bevor die Steuer eingeführt wurde, waren viele kleine Flughäfen nicht rentabel. Sie werden nur mit Steuergeldern am Leben gehalten.“ So sind allein nach Altenburg 16 Millionen Euro geflossen.

Für Heymann eine fragwürdige Entscheidung: „Der Ausbau der meisten Regionalflughäfen ist eine Verschwendung öffentlicher Gelder. Viele sind dauerhafte Verlustbringer und häufig nur lokalpolitische Prestige-Objekte.“ Wichtige andere Vorhaben würden deshalb auf der Strecke bleiben.

Schon jetzt herrsche in Deutschland die größte Flughafendichte Europas, so der Experte. Viele kleine Anbieter seien aus eigener Kraft nicht überlebensfähig – und machten sich abhängig von einer einzigen Fluglinie.

Noch immer wird investiert

Ein möglicher Ausweg: „Beim Bau neuer Flughäfen muss der Bund mehr Kompetenzen bekommen“, fordert Heymann. „So können regionalpolitische Alleingänge vermieden werden.“

Noch aber wird investiert, zum Beispiel in Kassel-Calden. 220 Millionen Euro kostet der Flughafen-Ausbau. Ab 2013 sollen dort Passagier-Maschinen starten und landen – wenn die Airlines Interesse zeigen. Droht dann die nächste Subventionsruine?

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang