Die Mittelschicht in Deutschland ist stabil

Einkommensungleichheit: Der Sachverständigenrat sieht keinen Grund zur Sorge

Deutsches Ideal: Die „Mittelschicht“, hier ein Archivbild aus der Nachkriegszeit. Foto: Plainpicture

Wiesbaden. Über 43 Millionen Erwerbstätige gibt es in Deutschland – seit 2010 steigt die Zahl auf immer neue Höhen. Doch trotz der guten Job-Entwicklung, um die uns ganz Europa beneidet, sind sich über die Bilanz nicht alle einig. „Die Schere bei den Einkommen geht auf“, heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Und: „Für die Mittelschicht ist das Risiko gewachsen, finanziell abzusteigen.“

Weil es ja wichtig ist, ob die Soziale Marktwirtschaft Wohlstand für die meisten oder nur für wenige schafft, nahmen die „Fünf Weisen“ das Thema kürzlich unter die Lupe. Sie analysieren als Sachverständigenrat der Bundesregierung regelmäßig die wirtschaftliche Entwicklung. Fazit: „Deutschland ist nach wie vor eine stabile Mittelschicht-Gesellschaft.“

Gut drei Viertel der Bevölkerung hätten zwischen 60 und 200 Prozent des „mittleren bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommens“ – und lägen damit zwischen den in der Sozialforschung üblichen Schwellenwerten für „Armutsgefährdung“ und „Einkommensreichtum“. Der Sachverständigenrat betont: „Die Entwicklung des Mittelschicht-Anteils ist seit Mitte der 2000er-Jahre unauffällig.“

Die Befürchtung, die 2005 in Kraft getretene Hartz-IV-Reform hätte die soziale Stabilität bröckeln lassen, lässt sich also nicht belegen. 2004 gehörten 79,1 Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht, 2012 waren es praktisch genauso viel, nämlich 78,1 Prozent.

Zudem rücken die Fünf Weisen die EU-Umfragen zu Einkommen und Lebensbedingungen in den Blick: Im Jahr 2014 schätzten rund 80 Prozent der Haushalte in Deutschland ihre persönliche Finanzsituation mindestens als „relativ gut“ ein. „Diese Einschätzung besteht durchgehend seit dem Jahr 2008. Und fällt im europäischen Vergleich hoch aus.“

Auch „im unteren Einkommensbereich“ gebe es in Deutschland „Stabilität“, betont der Sachverständigenrat. Er stützt sich dabei auf die Umfrageergebnisse zur „materiellen Deprivation“: In der EU-Umfrage wird regelmäßig europaweit abgefragt, wie vielen Haushalten es etwa an bestimmten langlebigen Gebrauchsgütern fehlt. „Absolute Armut“, so die Experten, „wird durch die Grundsicherungssysteme und den freien Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung nahezu ausgeschlossen.“


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