Tarifabschluss in München

Einigung vor Mitternacht: Metaller erhalten ab Juli mehr Geld


München. Am Ende ging es ziemlich schnell. Schon vor Mitternacht waren sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in einem Münchner Hotel einig. Dieses Mal gab es also kein schier endloses, zähes Ringen bis in die frühen Morgenstunden, wie schon oft zum Abschluss einer Tarifrunde.

Kurz darauf traten die Verhandlungsführer vor die Kameras und Mikrofone – mit zufriedener Miene: Angelique Renkhoff-Mücke vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) und Jürgen Wechsler, der Bezirksleiter der IG Metall Bayern. „Die Beschäftigten erhalten ein deutliches Reallohnplus“, verkündete Angelique Renkhoff-Mücke.

Und Wechsler bezeichnete das Ergebnis als fairen Kompromiss: Die Arbeitnehmer würden angemessen am wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe beteiligt.

Betriebe können bis Ende 2014 kalkulieren – das gibt Sicherheit für die Arbeitsplätze

Ein entscheidender Punkt der Einigung ist neben dem Lohnplus die relativ lange Laufzeit von 20 Monaten – rückwirkend vom 1. Mai 2013 bis Ende Dezember des nächsten Jahres. „Das gibt unseren Firmen die nötige Planungssicherheit“, betonte Renkhoff-Mücke. Dieser Aspekt sei den Arbeitgebern sehr wichtig.

Auch für Rainer Dulger, den Präsidenten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, zeugt das von Weitblick – „gerade in Zeiten wie jetzt mit einer besonders unsicheren und vergleichsweise schwachen Konjunktur“. Die Unternehmen könnten nun bis Ende 2014 mit festen Personalkosten kalkulieren: „Das trägt dazu bei, die Arbeitsplätze zu sichern.“

Und die lange Laufzeit hat für die Beschäftigten noch einen weiteren Vorteil. Zu wissen, wie sich das Einkommen bis Ende 2014 entwickelt, sei angesichts der Konjunkturschwankungen ein Wert an sich, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Sein Fazit: „Die Metall- und Elektro-Industrie hat sichere Leitplanken.“

Dazu beigetragen hat Bayern, das in der diesjährigen Tarifrunde als erste Region einen Abschluss erzielt hat. Die Tarifparteien in den anderen Regionen schließen sich dem jetzt an.

Bayern war zum ersten Mal seit 1995 wieder Pilotbezirk. Gesamtmetall-Präsident Dulger lobte den souveränen Verhandlungsstil von Renkhoff-Mücke: „Sie hat das toll gemacht.“

Die 50-jährige Unternehmerin führt seit 2011 die Tarifverhandlungen des bayerischen Arbeitgeberverbands. Sie leitet als Vorstandsvorsitzende die Warema Renkhoff SE in Marktheidenfeld. Die Firma mit rund 3.200 Mitarbeitern fertigt Sonnenschutz-Systeme, zum Beispiel Markisen.

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Fakten

Höhere Löhne, mehr Arbeitsplätze

• Am 1. Juli 2013 steigen die Entgelte um 3,4 Prozent. Weitere 2,2 Prozent mehr Geld gibt es ab Mai 2014. Dieses Plus liegt deutlich über der Teuerungsrate in Deutschland. Im April lagen die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

• Zuletzt waren die Löhne in der Metall- und Elektro-
Industrie im Mai 2012 um 4,3 Prozent gestiegen. Das war die stärkste Erhöhung seit 20 Jahren.

• Der größte deutsche Industriezweig hat in den letzten drei Jahren rund 250.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Die neueste amtliche Statistik vom Februar 2013 weist für die Stammbelegschaften (ohne Zeitarbeiter) exakt 3 689 730 Stellen aus.

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