Standpunkt

Einfache Sätze zur Europa-Krise


1. Es handelt sich nicht um eine Euro-Krise, sondern um eine Krise der Europäischen Union: Die Pleite eines Großschuldners berührt nicht die Geldsorte, in der er überschuldet ist.

2. Griechenland (und der Warteschlange dahinter) Schulden zu erlassen, rettet daher nicht den Euro, sondern die EU. Nicht die aus der Reklame-Broschüre – sondern die real existierende EU, in der jeder seine Schuldentour fährt, das Gegenteil beteuert und von den anderen ein wohlwissendes Nicken erntet.

3. Heutzutage ist jede Regierung finanziell so unsolide, wie es die Opposition und die Wähler zulassen oder gar wünschen. (Tendenziell gilt: Je tiefer der Süden, desto inbrünstiger gehen die Wähler für ihr „Recht“ auf eine nicht solide finanzierbare Politik auf die Straße.)

4. Das Heil liegt nicht in weiterer Verzentralstaatlichung. Eine „Wirtschaftsregierung“ in Brüssel und ein „Länderfinanzausgleich“ zwischen den einzelnen Mitgliedsländern führen zu Finanzsozialismus – mit Unsolidität auf mittlerem (französischem) Niveau.

5. Abhilfe schafft nur das Gegenteil: losgelassene Soliditätskonkurrenz. Im Wettbewerb der Euro-Länder und ihrer Einnahmen- und Ausgabenpolitik sollte sich erweisen, dass Solidität sich mittelfristig auszahlt.

6. Den Euro möge beibehalten, wer immer es will. Es kann den Nutzern guten Geldes nur recht sein, wenn andere dasselbe Geld benutzen. Die Mitnutzung darf eben nur keinen Anspruch auf Stütze bei Fehlnutzung verschaffen.

7. Die Deutschen haben – über das Praktische und Völkerverbindende hinaus – bisher insoweit vom Euro profitiert: Dauerhaft hohe Export-Überschüsse haben die eigene Währung nicht (wie zu D-Mark-Zeiten unvermeidlich) unter dämpfend wirkenden Aufwertungsdruck gesetzt. Was andernfalls die eigenen Produkte verteuert hätte.

8. Das alles musste einmal gesagt werden. Weil in der Euro-Debatte die einfachen Dinge meist unter den Tisch fallen.

9. Was von hier aus nicht beurteilt werden kann: Haben sich europäische Großbanken in Griechenland und anderswo so tief hineingeritten, dass der mögliche Schaden „systemrelevant“ ist? So dass die Politik ihnen die für Gläubiger üblichen Pleitefolgen ersparen sollte? Dann hätten die Banken erfolgreich darauf spekuliert, dass man in unsolide Euro-Länder beliebig Kredit pumpen kann, weil die weniger unsoliden nichts anbrennen lassen.

 

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