Industrie

Eine wetterfeste Branche


Hersteller von Umwelttechnik trotzen den Konjunktur-Stürmen

Regensburg/München. Es gibt sie noch, die Industriezweige, in denen die Geschäfte auch in der allgemeinen Krise gut gehen. Allen voran die Umwelttechnik – mit ihren Produkten und Fertigungsverfahren, die zugleich die Natur und den Geldbeutel schonen.

Deutsche Unternehmen gelten auf diesem Gebiet als führend in der Welt. Kein Wunder also, dass unser Land mit dem Export etwa von Solaranlagen, Windrädern oder Wassertechnik an erster Stelle steht – vor den USA und Japan.

Iliotec: Produktion steigt um bis zu 20 Prozent

Das Auslandsgeschäft spielt zum Beispiel für das Regensburger Solarunternehmen Iliotec eine große Rolle. Gegründet wurde es erst vor elf Jahren, doch der Export macht schon ein Fünftel des Umsatzes aus. Mittlerweile gibt es Niederlassungen in Spanien, Portugal und Griechenland, Geschäfte werden auch in Italien und der Tschechischen Republik gemacht. Gründer und Geschäftsführer Stefan Dobler blickt noch weiter in die Ferne: „Die Türkei wird ebenfalls ein interessanter Markt.“

Iliotec zählt sich zu den größten deutschen Unternehmen, die für Kunden Solaranlagen planen, installieren und warten – sei es auf dem Dach von Einfamilienhäusern, sei es auf großen Industriehallen oder frei stehend auf einer Wiese. „Das Potenzial für Solartechnik ist riesig“, sagt der Elektro-Ingenieur Dobler, der mittlerweile 223 Mitarbeiter beschäftigt.

Umsatzeinbrüche sind für Dobler auch in der Krise ein Fremdwort: „Wir erwarten für dieses Jahr ein Mengenwachstum von 10 bis 20 Prozent.“ Wegen der gesunkenen Preise für Solartechnik rechnet er beim Umsatz mit einem etwas bescheideneren Wachstum: 105 Millionen Euro sind für 2009 vorgesehen – immerhin 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hans Huber: Starkes Geschäft mit Gemeinden

Das Familienunternehmen Hans Huber AG in Berching im Altmühltal kann ebenfalls mit einem stabilen Geschäft planen. Angesichts der heftigen Auftragsrückgänge in anderen Segmenten des Maschinenbaus ist das beachtlich. Hans Huber ist Spezialist für die Behandlung von Wasser und Abwasser. Zum Produktangebot gehören unter anderem Rechen, Siebe und Filter für Kläranlagen sowie Maschinen, die den Klärschlamm trocknen, verbrennen und dabei auch noch Strom erzeugen.

Die Umsätze mit Industrie-Kunden schwächen sich zwar auch hier ab. „Wir hoffen jedoch, dass wir diesen Rückgang durch unser starkes Geschäft mit Städten und Gemeinden ausgleichen können“, sagt Oliver Rong, Vorstand für Technik und Produktion. „Denn in vielen Ländern kann man es sich gar nicht leisten, Wasserprojekte zu stoppen.“

Rong begründet seine Zuversicht zum Beispiel mit dem starken Bevölkerungswachstum in China und Indien. Dort ändern sich auch die Vorlieben fürs Essen. Der Wunsch nach mehr Fleisch auf dem Teller bedeutet, dass die Bauern nicht nur mehr Wasser für Pflanzen, sondern auch für Tiere brauchen. Eine willkommene Entwicklung für die Huber-Gruppe, die von ihrem Umsatz (zuletzt knapp 136 Millionen Euro) zwei Drittel im Export erwirtschaftet.

Rong fasst das Erfolgsrezept seines Unternehmens so zusammen: „Wir produzieren qualitativ hochwertige Produkte ‚Made in Germany’ und bieten den Kunden wirtschaftliche und hocheffiziente Lösungen aus einer Hand an.“

Siemens: Zukäufe bei erneuerbaren Energien

Nicht nur der Mittelstand profitiert von der konjunkturrobusten Umwelttechnik. Der Elektronik-Riese Siemens zum Beispiel freut sich über ein wachsendes Energiegeschäft etwa mit Windkraftanlagen. Das dämpft die Auftragsschwäche im Industriesektor.

Die Solartechnik baut Siemens jetzt sogar aus. Kürzlich übernahm der Konzern einen Anteil von 28 Prozent an einem italienischen Zulieferer für solarthermische Kraftwerke. Über weitere Zukäufe denkt Siemens schon nach.

Info: Umwelttechnik

Unter Umwelttechnik versteht man Geräte und Verfahren zum Schutz der Um­welt oder zum sparsameren Umgang mit natürlichen Ressourcen – von Wasseraufbereitung bis zu Solarzellen und Windrädern. Wie zukunftsträchtig das ist, zeigt ein Blick in die Statistik zu den er­neuerbaren Energien.

  • Laut Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft deckten Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme im vergangenen Jahr schon gut 15 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland ab. Das Bundesumweltministerium rechnet damit, dass sich der Anteil bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent verdoppelt. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) prophezeit sogar einen Anteil von fast 50 Prozent. Zu dem Boom tragen auch massive staatliche Subventionen bei.
  • Bei Wärme und Kraftstoff liegt der Anteil etwa halb so hoch wie bei Strom.
  • Insgesamt wurden laut BEE letztes Jahr dank der erneuerbaren Energien bundesweit 120 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid vermieden. Das sind 20 Millionen Tonnen mehr als der Ausstoß aller Pkws.

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