Interview

„Eine Kreditklemme verhindern“


Was die M+E-Arbeitgeberverbände in Bayern den Unternehmen raten

Die Konjunkturkrise hat Bayern fest im Griff. Randolf Rodenstock, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), erläutert, worauf es jetzt ankommt – für die Unternehmen, die Banken und den Staat.

Interview

AKTIV: Als überzeugter Marktwirtschaftler sind Sie gegen Eingriffe des Staates. Dass die öffentliche Hand Banken unterstützt, halten Sie aber für richtig. Wie passt das zusammen?

Rodenstock: Mir wäre es wirklich lieber, der Staat würde sich heraushalten. Ich finde es an sich auch nicht in Ordnung, dass er die Banken und das Finanzsystem stützt, aber das ist nun einmal dringend notwendig.

AKTIV: Warum?

Rodenstock: Weil es um den zentralen Punkt in dieser Konjunkturkrise geht: Wir müssen dafür sorgen, dass die Unternehmen ihre Finanzierung sichern können.

AKTIV: Haben wir nicht schon eine Kreditklemme?

Rodenstock: Nach meinen Erkenntnissen nicht. Aber wir müssen aufpassen, dass es gar nicht so weit kommt. Wenn den Unternehmen das notwendige Geld fehlt, gehen allein deswegen viele Arbeitsplätze verloren.

AKTIV: Sind Sie also dafür, die Banken zur Kreditvergabe zu zwingen?

Rodenstock: Nein, das geht ja gar nicht. Man kann von den Banken nicht fordern, zu hohe Risiken einzugehen.

AKTIV: Wie lässt sich die Kreditversorgung dann sicherstellen?

Rodenstock: Die bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände haben hier eine wichtige Aufgabe. Wir beraten unsere Mitgliedsfirmen im Umgang mit Banken. Außerdem moderieren wir Gespräche zwischen beiden und dem bayerischen Wirtschaftsministerium.

AKTIV: Und so lassen sich Kapital-Engpässe verhindern?

Rodenstock: Ja, das läuft ganz erfolgreich. Es geht vor allem darum, Vertrauen zwischen Unternehmen und Bank zu erhalten oder zu schaffen. Dazu gehört, dass die Firmen den Kreditgebern regelmäßig einen umfassenden Einblick in ihre Bücher gewähren.

AKTIV: Was müssen sie noch tun, um die Krise zu meistern?

Rodenstock: Weiter auf Innovationen setzen und auf den Auslandsmärkten präsent bleiben. Die Firmen müssen sich aber auch schlanker machen, weil wir eine Hochkonjunktur wie noch 2008 in den nächsten zwei, drei Jahren nicht mehr erleben werden.

AKTIV: Und das hat auch Folgen für die Beschäftigung?

Rodenstock: Ja, leider. Die Unternehmen verhalten sich sehr verantwortungsbewusst: Mit Kurzarbeit haben sie ihre Stammbelegschaft bisher weitgehend gehalten.

AKTIV: Und kann das jetzt so bleiben?

Rodenstock: Ich befürchte, dass zum Winter hin die Beschäftigung nicht mehr auf dem aktuellen Niveau bleiben kann. Besonders in einer Krise wird deutlich, dass letztlich die Kunden über Arbeitsplätze entscheiden. Wenn sie wenig bestellen und kaufen wie jetzt, müssen Stellen gestrichen werden. Das verstehen die Belegschaften auch.

AKTIV: Wann werden denn die Kunden wieder mehr bestellen und kaufen?

Rodenstock: Immerhin sieht es so aus, dass wir uns dem Tiefpunkt der Konjunktur nähern. Es wird aber noch eine ganze Weile dauern, bis unsere Wirtschaft nach dem starken Schrumpfen wieder stabil sein wird. Ich hoffe, dass wir 2013 oder 2014 wieder das Niveau von 2008 erreichen werden.

AKTIV: Das ist der Optimismus, zu dem ein Verbandspräsident verpflichtet ist.

Rodenstock: Nein, das ist Realismus. Wir machen keine unberechtigten Hoffnungen. Aber es gibt auch keinen Grund für Panikmache. Es ist doch erfreulich, wie besonnen die Deutschen bisher auf die Krise reagieren.

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