Unsichere Stromversorgung

Eine kleine Panne – und der Ofen ist aus


Betriebe kämpfen zunehmend mit Stromausfällen

Essen. Plötzlich geht nichts mehr: Die Walzen blockieren, die Rollen mit dem Alu-Band stoppen. Die Produktion bei Hydro Aluminium steht still. Acht Stunden brauchen Arbeiter, bis die Walzstraße des Werks im niederrheinischen Norf wieder flott ist. Der Schaden: 200.000 Euro.

Ein Spannungseinbruch in der Höchstspannungsleitung hatte den Betrieb im Juli 2011 stillgelegt. Der wird normalerweise mit 700 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr versorgt. Solche Zwischenfälle gibt es immer wieder. „In Grevenbroich bei Düsseldorf, Hannover, Rackwitz bei Leipzig und Hamburg hatten wir auch Probleme“, sagt Unternehmenssprecher Michael Peter Steffen: „Eine Häufung wie seit Jahrzehnten nicht.“

Eine Begründung liefert Professor Marcus Mattis, auf das Thema Strom spezialisierter Unternehmensberater: „Die Energiewende macht es schwerer, die Netze stabil zu halten.“

Fünfmal so viele Kurzunterbrechungen

Mittlerweile drücken rund 22.000 Windräder und 1 Million Solaranlagen Strom ins Netz. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kraftwerken liefern sie mal mehr, mal weniger. Präzise vorhersagen lässt sich das nicht.

Trotz aller Regeltechnik kann es deshalb zu Spannungseinbrüchen im Netz kommen. „Und das Risiko von Kurzunterbrechungen des Stroms für Sekundenbruchteile steigt“, erklärt Ulrich Schärli, Experte für Energieübertragung an der Universität Stuttgart.

Tatsächlich nahm die Zahl der Versorgungsstörungen in den letzten drei Jahren um ein Drittel zu, so der Verband VIK, der die energieintensiven Betriebe vertritt. Die Zahl der Kurzunterbrechungen schoss nach dem Aus für acht Kernkraftwerke im vorigen Jahr auf das Fünffache hoch.

Dabei lassen oft schon Spannungsschwankungen die sensiblen Rechner in der Industrie abstürzen, weiß Unternehmensberater Mattis: „Jede kleine Panne im Netz kann für Papierfabriken, Lackierstraßen oder Chip-Hersteller zum Schadensfall werden.“

Wer kann, sichert sich technisch dagegen ab. Zum Beispiel mit Systemen, wie sie die Firma Jovyatlas in Leer herstellt. „Dabei puffert eine Batterie Spannungsschwankungen und Stromausfälle ab“, erklärt Betriebsleiter Manfred Rieks. Ein Umsatzplus von 15 Prozent hat er in diesem Jahr schon verbucht.

„Erstarrtes Kupfer wäre Katastrophe“

Aber nur Rechenzentren und kleinere Anlagen lassen sich so schützen, keine Walzwerke. Solche Großverbraucher können mit Notstromaggregaten nur das Schlimmste verhindern. Der Hamburger Kupfer-Hersteller Aurubis etwa mietet deshalb im Winter Generatoren an. Eine Absicherung, die Millionen kostet.

„Im Notfall können wir die Elektro-Öfen und die Kessel so weiter heizen, um sie geordnet herunterzufahren“, erklärt Ulf Gehrckens, Energiemanager bei dem Unternehmen. „Es wäre eine Katastrophe, wenn das Kupfer in ihnen erstarrt.“ Denn die Netzbetreiber stehen laut Gesetz nur mit 5.000 Euro Schadenersatz gerade.

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