Wie man Kaufkraft ankurbelt

Eine interessante Lektion aus der jüngeren Geschichte

Herausgeber Ulrich Brodersen

Egal, ob die Wirtschaft gerade brummt oder schwächelt – die Arbeitgeber würden sich vor Lohnverhandlungen stets auf eine Position versteifen, wonach das Plus diesmal aber knapp ausfallen müsse. Das behauptet jedenfalls gerne die Gegenseite. Die diesjährigen Tarifrunden bei Metall und Elektro sowie Chemie haben aber gezeigt: So pauschal stimmt das nicht.

Schon eher gilt ein solches Stereotyp in einer anderen öffentlich diskutierten Geld-Sache: Egal, wie es um die Staatsverschuldung steht – stets fordern einflussreiche Leute zusätzliche Ausgaben. Fürs Sparen ist immer die falsche Zeit. Permanent, so erinnert sich etwa der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD), wurde er in seiner Amtszeit von 1981 bis 1988 bestürmt: Dieses eine Mal müsse es noch sein – man dürfe sich jetzt nicht „kaputt-sparen“. Und immer wieder hat er sich zu Mehrausgaben breitschlagen lassen.

Was aber ist denn nun eigentlich bei Lohn- und Finanzpolitik der jeweils bessere Weg, gemessen an der Perspektive einer nachhaltig guten Beschäftigungsentwicklung? Das Geld zusammenhalten oder es beherzt unter die Leute bringen? Plastische Anschauung dafür bietet der Zeitraum 2004 bis 2007 – also die Phase des Aufschwungs vor der großen Krise. Aus Sicht derer, die das Mittel der Wahl in einer „Stimulierung der Nachfrage“ sehen, durch expansive Lohn- und Finanzpolitik, wurde in dieser Zeit so ziemlich alles falsch gemacht:

  • Die Löhne stiegen relativ moderat – im Vergleich zur übrigen Euro-Zone erarbeitete sich Deutschland einen Kostenvorteil.
  • Der Staat steuerte entschlossen auf ausgeglichene Haushalte zu.
  • Und mit dem Hartz-IV-Gesetz wurde zudem noch der Niedriglohnsektor ausgebaut.

Ja, und die Folge war eine Wachstumsdynamik, wie sie Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Erstmals wurde sogar die seit Jahrzehnten gestiegene Sockelarbeitslosigkeit abgebaut – das heißt, es gab weniger Arbeitslose als im vorherigen Konjunkturhoch.

Wie kam’s? Die verbesserte internationale Wettbewerbsfähigkeit und das Bemühen des Staates, solider zu haushalten und die Arbeitsmärkte zu flexibilisieren, hatten die Investitionsbereitschaft erhöht. So wuchs schließlich die Zahl der Arbeitsplätze auf Rekordhöhe. Und einmal mehr zeigte sich: Wer die Kaufkraft ankurbeln will, muss die Beschäftigung steigern. Das bringt viel mehr als ein Reallohn-Plus in prozentual gleicher Höhe.


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