Wo der Salat in Rohren wächst

Eine Gärtnerin in Panama nutzt PVC-Leitungen als Beet

Erfolgreich: Dioselina de Bell steht in Panama in ihrem Gewächshaus mit PVC-Rohren. Foto: Privat

Boquete. Salat aus einem Kunststoff-Rohr? Bei uns kennt man die PVC-Produkte als Wasserleitungen oder Abflussrohre. Doch in Panama nutzt sie eine clevere Gärtnerin als Beet, weil ihr Ackerland fehlt.

Dioselina de Bell lebt in Boquete, einem schnell wachsenden Städtchen. Da die Einwanderer immer mehr Platz benötigen, wurden die Felder bebaut – und frischer Salat aus der Region zur Mangelware.

Die Pflänzchen benötigen zum Wachsen keine Erde

Kurzerhand erfand die ausgebildete Psychologin das erdlose Gärtnern („hydroponic gardening“), das inzwischen weltweit Nachahmer gefunden hat. Ihre Idee: Warum das frische Grünzeug nicht in Plastikrohren auf dem Dach, dem Balkon oder der Fensterbank anbauen?

Sie besorgte sich PVC-Rohre und schnitt Löcher in die Oberseite. Dort hinein steckte sie kleine Pflanztöpfe mit Lollo Rosso, Romana und Kräutern. Erde braucht sie nicht: Die Nährstoffe holen sich die Pflänzchen aus dem Torfmoos der Pflanztöpfe, das Wasser fließt mithilfe einer kleinen Pumpe aus einer Zisterne durch die Leitungen.

Die Rohre erwiesen sich als ideale Beete: Die Leichtgewichte lassen sich gut miteinander verbinden und halten über 100 Jahre. Sie sind widerstandsfähig gegen Chemikalien, mechanische Belastungen und bieten Bakterien aufgrund ihrer glatten Oberfläche kaum Ansatzpunkte für eine Besiedlung. Deutschland verarbeitet pro Jahr rund 1,6 Millionen Tonnen PVC, führende Hersteller sind Vinnolit, Solvay und Vestolit.

Heute besitzt die Familie de Bell drei Gewächshäuser und beliefert ihre Umgebung mit Lebensmitteln.


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