Arbeitsalltag

Eine Frage des Betriebsklimas


Genial einfach: Den roten Not-Aus-Knopf betätigt keiner mehr versehentlich – dank des Hoerbiger-Mitarbeiters Andreas Fichtl. Er hat sich dafür einen gelben Schutz überlegt. Foto: Hoerbiger

Ganz konkret: Was Mitarbeiter-Vorschläge bringen können

Schongau/Nabburg. „Jetzt hab ich’s!“ So kündigen sich oft Geistesblitze an. In Unternehmen richtig eingesetzt und verwirklicht, sind sie Gold wert: 1,5 Milliarden Euro betrug der Wert der Verbesserungsvorschläge allein 2007. Das hat das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft (DIB) errechnet. Die findigen Beschäftigten kassierten Prämien in Höhe von 168 Millionen Euro.

Geht nicht, gibt’s nicht

Die kreativsten Mitarbeiter der Republik sind im oberbayerischen Schongau zu finden, hat das DIB herausgefunden: Bei der Hoerbiger Antriebstechnik GmbH, einem Unternehmen der Hoerbiger Holding AG in Zug/Schweiz, hat 2007 jeder Mitarbeiter des Produktbereichs Synchrosysteme im Schnitt 13 Vorschläge eingereicht!

„Unsere Mitarbeiter sind sehr kreativ. 95 Prozent der Belegschaft machen mit“, freut sich Produktbereichsleiter Robert Notz.

Er betont: „Wir müssen Veränderungen als Kultur begreifen. Wenn das Umfeld passt, dann kommen auch die Ideen.“ Deshalb nehmen sich die Beschäftigten zweimal im Jahr eine Woche Zeit, um in Abteilungsworkshops über Verbesserungen zu sprechen.

Ideen kann man nicht verordnen: Es spricht für das Betriebsklima, wenn sich viele beteiligen.

Das Oberpfälzer Unternehmen emz-Hanauer setzt seit zwölf Jahren auf die Einfälle seiner Beschäftigten. Bei der Ideensuche gelten sogar besondere Gesprächsregeln. „Sätze wie: ,Das funktioniert nicht, das haben wir noch nie gemacht’‚ gibt es nicht“, sagt Stefan Pindl, zuständig für den Innovationsprozess im Elektronik-Bereich.

Auch wenn es oft schwer ist, den Nutzen der Vorschläge in Euro und Cent zu beziffern: Es geht ums Mitdenken. „So sind wir schneller, effektiver und qualitativ noch besser geworden“, sagt Dieter Dettwiler, zuständig für das Verbesserungswesen bei emz.

Das Ideenmanagement lebt von den vielen kleinen, oft verblüffend einfachen Vorschlägen der Mitarbeiter. Meist geht es um Verbesserungen bei Arbeitsabläufen, um Sicherheit, Sauberkeit, Lärm- und Umweltschutz.

Selbst ist der Mann!

Kleinere Missstände beseitigt bei emz jeder selbst. So wie derjenige Mitarbeiter, der jeden Tag zeitraubend in einer großen Kiste ein Werkzeug suchen musste: Er kaufte kurzerhand eine Halterung und ließ sich den Betrag von der Firma ersetzen. Nun ist das Werkzeug aufgeräumt, die Sucherei beendet, die Produktivität erhöht sich.

Das hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur: „Die Hierarchien sind bei emz flach“, erklärt Dettwiler. „Heute werden die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse eingebunden!“

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