Für Auszeiten sparen

Ein Zeitkonto fürs Arbeitsleben

Eine Stechuhr – ein Bild aus alten Zeiten. Heute gibt es viel modernere Arbeitszeitmodelle. Foto: dpa

Teile des Entgelts steuer- und sozialversicherungsfrei für später wegpacken zu können – das ist grundsätzlich eine prima Sache. Die meisten Arbeitnehmer wissen allerdings noch nicht, dass das inzwischen auf zweierlei Weise möglich ist. Zum einen ist da natürlich die „Entgeltumwandlung“ für die betriebliche Altersversorgung (darüber hat AKTIV schon wiederholt berichtet. Mehr dazu finden Sie unter den angegebenen Links am Ende dieses Artikels). Zum anderen gibt es aber auch die Möglichkeit, ein „Wertguthaben“ auf einem „Lebensarbeitszeitkonto“ anzusparen.

Dieses Guthaben kann man irgendwann später nutzen: zum Beispiel für eine Auszeit, für die Pflege von Angehörigen oder auch für einen vorzeitigen Ruhestand. Dann bekommt der Mitarbeiter sein Entgelt für diese Zeiten aus dem Konto – und erst dann fallen auch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an.

Vorreiter: die Chemie- und die Metall-Industrie

Bisher bieten vor allem Großbetriebe solche Modelle an, wie ein Bericht der Bundesregierung gezeigt hat: Gut jede siebte Firma mit mehr als 500 Beschäftigten führt demnach schon solche besonderen Konten für ihre Beschäftigten. „Vorreiter in der Privatwirtschaft“ sind laut Bericht die Industriezweige Chemie sowie Metall und Elektro.

„Diese Betriebe leisten Pionierarbeit“, erklärt Rechtsanwalt Thomas Frank, Experte fürs Thema in der Münchner Niederlassung der Kanzlei Hogan Lovells. Der promovierte Jurist berät Firmen, die das moderne Instrument einführen wollen – nicht zuletzt, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden.

„Die gesetzlichen Regeln sind seit 2009 deutlich präziser“, sagt Frank, „aber das Modell ist immer noch sehr komplex – und zu vielen Detailfragen haben sich die Juristen bisher noch keine feste Meinung gebildet.“ Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob man auch Urlaubstage aufs Lebensarbeitszeitkonto einzahlen darf: „Weil das nicht geklärt ist, rate ich davon ab“, sagt Frank.

Neue Regeln für Kurzarbeit oder Jobwechsel

Klauseln für Notlagen sollte das Kleingedruckte jedenfalls lieber nicht enthalten – damit das Wertguthaben zum Beispiel auch erhalten bleibt, wenn jemand in die Schuldenfalle tappt: „Gläubiger können dann nicht darauf zugreifen“, sagt der Experte. Im Fall einer Scheidung werde das Wertguthaben aber bei der Berechnung des Unterhalts berücksichtigt.

„Bei Kurzarbeit muss man so ein Wertguthaben inzwischen nicht mehr auflösen – das ist also anders als bei einem normalen Arbeitszeitkonto“, so Frank weiter. Und wenn man den Arbeitgeber wechselt, gibt es jetzt drei Möglichkeiten: Erstens die Übertragung auf die neue Firma – falls die denn auch so ein Modell anbietet. Zweitens die (steuer- und sozialversicherungspflichtige) Auszahlung. Drittens: die Übertragung des Wertguthabens aufs Konto bei der gesetzlichen Rentenversicherung – das geht allerdings nur, wenn schon ein bestimmter Mindestwert erreicht worden ist. „Aktuell liegt diese Grenze bei 16.170 Euro in West- und 13.650 Euro in Ostdeutschland“, sagt Frank.

Laut Regierungsbericht hat das „Flexi II“-Gesetz in Deutschland „die Grundlagen für eine der modernsten Arbeitszeitregelungen weltweit geschaffen“. Theoretisch mag das so sein, bestätigt Frank. Aber in den Praxis seien die Regeln gerade auch in Sachen Insolvenzschutz für den Laien kaum zu durchschauen: „Da muss man eben der Firma vertrauen.“

Über einen Vorreiter in Sachen Wertguthaben hat AKTIV gerade berichtet – den Artikel über das Fallbeispiel E.G.O. finden Sie hier auf AKTIVonline.

Mehr zum Thema Entgeltumwandlung finden Sie zum Beispiel in den beiden folgenden AKTIVonline-Artikeln:
Die Lücke schließen: Sonderzahlungen kann man raffiniert nutzen – für die Altersvorsorge!
Betriebsrente: „Es gibt keinen Grund, das zu verschenken“

Wie die Übertragung eines Wertguthabens auf die Deutsche Rentenversicherung funktioniert, erklärt eine kostenlose Broschüre – klicken Sie hier zum PDF-Download.


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