Interview mit Entsorgungs-Expertin

„Ein Verbot von Plastiktüten bringt nichts“

Brüssel. Milliarden Plastiktüten landen in der Natur. Die EU will gegensteuern: Jeder Europäer soll ab 2025 pro Jahr maximal 40 Plastiktüten benutzen – heute sind es knapp 200. In Deutschland liegt der Verbrauch bei 70 Stück pro Kopf, in Polen bei 450. Anne Baum-Rudischhauser, Geschäftsführerin vom BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft in Brüssel, erklärt das umstrittene Vorhaben.

Wie will die EU den Verbrauch senken?
Jeder Mitgliedsstaat kann zwischen Instrumenten wie Verbot, Steuern und Abgaben wählen. Bei uns könnten die Einwegtüten kostenpflichtig werden.

Würde diese Regelung für alle Plastiktüten gelten?
Nein. Es geht um die leichten Einwegtüten, die man etwa in der Drogerie oder im Kaufhaus teils gratis bekommt. Die Tüten, in die wir im Supermarkt Obst verpacken, sind nicht gemeint. Auch nicht die starken Mehrfachtüten mit Tragegriff.

Was wäre dann der nächste Schritt?
In Deutschland verfügen wir über eine Kreislaufwirtschaft mit Sortier- und Recyclinganlagen. Viele Tüten fließen dort schon ein. Für uns ist es also nicht so entscheidend, ob die Zahl der Tüten sinkt. Wichtiger ist, Kreisläufe weiter zu schließen und das Recycling zu steigern.

Klingt selbstverständlich.
In vielen Ländern gibt es so ein System nicht. In Polen und Ungarn etwa ist man von einer Kreislaufwirtschaft weit entfernt.

Was muss dort passieren?
Die Länder benötigen dringend eine funktionierende Abfallwirtschafts-Infrastruktur. Die Zahl der Plastiktüten zu senken, ist richtig, wird allein aber nicht viel bringen. Sonst landen immer noch Tüten in der Natur.

Warum werden Plastiktüten nicht einfach verboten?
Das wäre Planwirtschaft. Hochwertig recycelte Plastiktüten sind die bessere Option.


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