Themen-Special: Tarifrunde in Bayerns Metall- und Elektroindustrie

Ein Tarifabschluss muss für alle Firmen verkraftbar sein

München. Wie läuft das Geschäft in Bayerns Metall- und Elektroindustrie? Wer das fragt, darf von Branchenkennern keine kurze Antwort erwarten. Und mit einem Satz muss er ganz sicher rechnen: „Es kommt darauf an.“

Sowohl die wirtschaftliche Lage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate sind sehr unterschiedlich. Es kommt eben wirklich darauf an: mit welchen Produkten Unternehmen ihr Geld verdienen, in welchen Sektoren der Industrie sie sich genau bewegen und auf welchen Auslandsmärkten sie vor allem präsent sind.

Genau das ist die Herausforderung für die Tarifpartner: Der Flächentarifvertrag darf sich nicht etwa an den Betrieben ausrichten, die gerade am erfolgreichsten sind, sondern muss für alle tragbar sein. Dass mancherorts noch ein wenig draufgesattelt wird, etwa durch Sonderzahlungen, ist durch die grundlegende Vereinbarung von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband ja nicht ausgeschlossen. Es muss allerdings auch Anpassungen nach unten geben können, wenn es einem Betrieb schlecht geht.

Schon ein Blick auf die Produktion in den einzelnen Branchen zeigt die Unterschiede: Im Bereich Automotive lag sie im vierten Quartal 2015 um gut 13 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, in der Elektronik-Industrie um 6,7 Prozent, im Maschinenbau aber nur um 0,4 Prozent. Im Bereich Metallerzeugnisse sank die Produktion um 2,4 Prozent und bei elektrischen Ausrüstungen sogar um 4 Prozent.

Auch beim Auftragseingang ist das Bild uneinheitlich: Da stehen je nach Branche kräftige Zuwächse neben zweistelligen Minusraten. Und die Branchenzahlen sind ihrerseits immer noch Durchschnittswerte, hinter denen sich wiederum große Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen verbergen. Das liegt nicht nur an den konkreten Produkten einer Firma. Es liegt auch am Export.

60 Prozent ihrer Produkte verkauft Bayerns Metall- und Elektroindustrie im Ausland. Das begründet ihren Erfolg – aber es setzt sie auch den regionalen Konjunkturausschlägen rund um den Globus aus. Eine Firma etwa, die viel in die USA exportiert, hatte letztes Jahr tendenziell eher einen guten Lauf: Dort stieg die Nachfrage, die Ausfuhr lag 2015 um 20 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Ganz anders etwa beim China-Geschäft: Da ging’s um 14 Prozent abwärts.

Flexible Elemente und Öffnungsklauseln

Unter all diesen Vorzeichen ist es kein Wunder, dass auch die jüngste Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände bayme und vbm (Dezember 2015) ganz unterschiedliche Realitäten zeigt: Manche Firmen wollen in nächster Zeit verstärkt investieren und zusätzlich einstellen, während andere den Rotstift zücken.

Dabei zeigt sich ein Trend. Das Wachstum an ausländischen Standorten will praktisch kein Unternehmen zurückfahren; 43 Prozent wollen dort verstärkt einstellen, 54 Prozent verstärkt investieren. Aber für die heimischen Werke ist kaum Dynamik erkennbar.

Wie kritisch es werden kann, zeigt die Umfrage beim Thema Gewinn. Im Durchschnitt rechneten die Unternehmen für das Gesamtjahr 2015 zwar mit einer halbwegs ordentlichen Marge von etwa dreieinhalb Prozent (nach Steuern, in Prozent des Umsatzes). Doch jede vierte Firma erwartet eine unzureichende Rendite von unter 2 Prozent – oder schreibt sogar rote Zahlen.

Was das für die Tarifrunde 2016 bedeutet, ist aus Sicht der Unternehmen klar. Der Abschluss muss nicht nur insgesamt moderat ausfallen, damit die Kluft zwischen Arbeitskosten und Produktivität nicht noch weiter aufgeht. Es müssen auch vermehrt flexible Elemente und Öffnungsklauseln eingebaut werden. Jedes Unternehmen und jede Branche ist anders – und die Unterschiede haben sich vergrößert.


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Tarifrunde 2016 in Bayerns Metall- und Elektroindustrie: Jetzt geht es ums Entgelt für 810.000 Beschäftigte – und um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Warum es denen gar nicht so gut geht, wie viele denken, lesen Sie in diesem Themen-Special.

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