Tarifpolitik

Ein System für alle


ERA beendet getrennte Vergütung von Arbeitern und Angestellten

München. Es ist geschafft: Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie hat das große tarifpolitische Reformprojekt „Entgeltrahmenabkommen“, kurz ERA, umgesetzt. Rund 450.000 Mitarbeiter des Industriezweigs werden mittlerweile in Bayern danach bezahlt. Sie sind in 481 Betrieben beschäftigt. Weitere 50 Firmen haben den Start bis spätestens 2012 verschoben, 24 davon auf das erste Halbjahr 2010.

Mit ERA gilt für alle tariflichen Arbeitnehmer ein einheitliches Vergütungssystem. Es löst die jahrzehntelange Trennung von Lohngruppen für Arbeiter und Gehaltsgruppen für Angestellte ab. Jetzt werden alle jeweils einer von zwölf Entgeltgruppen zugeordnet – entsprechend den Anforderungen ihrer Tätigkeit.

Das Verkehrstechnik-Unternehmen Schaltbau GmbH hat schon relativ früh ERA eingeführt: zum 1. Juli 2007. „Für uns und unsere Mitarbeiter ist das längst Alltag“, sagt Dirk Konrad, der kaufmännische Geschäftsführer. „Weil keiner weniger verdient als vorher, gibt es auch keinerlei Probleme.“ In erster Linie die Facharbeiter bekämen jetzt sogar mehr Geld.

Schlüssel für den reibungslosen Wechsel zu ERA sei gewesen, den Betriebsrat von Anfang an ins Boot zu holen, meint Konrad. Personal- und Fachabteilungen hatten gemeinsam Vorschläge gemacht, welcher Entgeltgruppe die Mitarbeiter jeweils zugeordnet werden. Das betraf rund 350 tariflich entlohnte Arbeiter und Angestellte an den drei Standorten in Bayern.

Ein Arbeitsrichter als Schlichter

„Danach sind wir die Liste sofort mit dem Betriebsrat durchgegangen“, berichtet Konrad. „In 80 Prozent der Fälle waren wir uns gleich einig. Für die restlichen nach kleineren Diskussionen dann auch.“

In vielen anderen Betrieben wurde dagegen hart verhandelt. Wenn es keine Einigung gab, kam ein Schlichter ins Spiel. Zum Beispiel für die Andreas Karl GmbH in Fahrenzhausen bei München. Dort hatte die Eingruppierung der Beschäftigten für Aufregung gesorgt. Mit einem Arbeitsrichter als Schlichter gelang es letztlich aber, die Anforderungen der Tätigkeiten der einzelnen Mitarbeiter zu bewerten. Daran bemisst sich das ERA-Grundentgelt.

In dem Familienunternehmen, ein Spezialist für Arbeitsplatzsysteme in der Industrie, ist ERA ganz frisch. Seit 1. November gilt es. „Unsere Mitarbeiter müssen sich erst noch darauf einstellen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Karl. Er ist aber davon überzeugt, dass sich die Diskussionen legen werden. Spätestens wenn die 125 Beschäftigten feststellen, dass wirklich niemand weniger Lohn erhält als bisher.

 

Entgeltrahmenabkommen

Vor vier Jahren haben der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie und die IG Metall Bayern das Entgeltrahmenabkommen (ERA) unterzeichnet. Die Unternehmen hatten bis 1. Oktober dieses Jahres Zeit, das neue Vergütungssystem einzuführen. Es sorgt für gerechte und transparente Entlohnung. Der Lohn besteht aus einem Grundentgelt und einem leistungsabhängigen Anteil. Die „Besitzstandswahrung“ garantiert, dass niemand weniger verdient als zuvor.

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