Luftfahrt-Industrie

Ein sicheres Erfolgs-Modell


Der „EC 135“ fliegt weltweit für Rettungsdienste und Polizei

Donauwörth. Wer sich in diesen Wochen Sorgen macht, der Industrie in Deutschland könnte über kurz oder lang die Arbeit ausgehen, wird in der Montagehalle „D 10“ eines Besseren belehrt. Im bayerischen Donauwörth baut die europäische Gemeinschaftsfirma Eurocopter den Leichthubschrauber EC 135. Markteinführung war bereits im Jahre 1996 – doch Beständigkeit ist offenbar Trumpf. In diesen Tagen wurde bereits das 800. Exemplar ausgeliefert.

„Das Auftragsbuch ist voll“, berichtet Eurocopter-Ingenieur Reiner Heimbach, der auch Kundenkontakter ist. „Das Interesse am EC 135 ist global, es ist ein echter Exportschlager.“ Auch wenn das Unternehmen nicht vorhersagen kann, wie stark die Wirtschaftskrise die Auftragslage beeinflussen wird: Kaum eine Polizei oder ein Rettungsdienst weltweit mag ohne diesen vielseitigen und sicheren Hubschrauber auskommen.

Leder-Variante mit Hermès-Design

Fast entspannt sieht es aus, wenn die Mitarbeiter in der Montagehalle flink und leise Elektrokabel verlegen (pro Helikopter 25 Kilometer), Instrumente installieren und die Triebwerke einbauen. „Diese Vielfalt hat man nur in wenigen Berufen“, findet Mechaniker Jochen Glaß, der gerade die Antenne an der Frontseite eines Hubschraubers gegen unerwünschte Luftströmungen abdichtet.

Der EC 135 wirkt vergleichsweise graziös – trotz 12 Metern Länge und 2950 Kilogramm Maximalgewicht. Er verfügt über zwei Triebwerke mit je 743 PS und vollautomatischer elektronischer Steuerung.

Das Erfolgsmodell, das der breiten Öffentlichkeit zum Beispiel als gelber ADAC-Rettungshubschrauber vertraut ist, kommt zunehmend auch im sogenannten Corporate-Bereich zum Einsatz. Mit genügend Platz für sechs Personen an Bord und mit bis zu 235 Stundenkilometern Spitze ist er das entscheidende fehlende Bindeglied für die Geschäftsreise von Tür zu Tür.

Für besonders betuchte Kundschaft hat das Unternehmen neuerdings etwas besonders Exklusives im Angebot: einen Helikopter der Mega-Luxus-Klasse. „Auch dahinter steckt im Prinzip das Modell EC 135“, erklärt Ingenieur Heimbach – und streicht be­hutsam über die mit weichem Leder bespannten Sitze und Wände. „Ein tolles Finish, fühlen Sie mal!“

Ausgestattet mit feinstem Lederinterieur des französischen Konzerns Hermès, bietet diese Variante Luxus pur dicht unter den Wolken. Zur Ausstattung gehören Eiskübel für prickelnden Schampus, Flachbildschirme sowie eine Trennscheibe zwischen Piloten und Passagieren, die diskrete Ge­spräche ermöglicht.

Piloten-Training im Flugsimulator

Besonders stolz ist das Un­ternehmen auf die Lärmdämmung mit Gegenschallwellen und das Headset des Elektronik-Spezialisten Bose für geräuscharmen Smalltalk. Ein erstes Exemplar wurde kürzlich nach Dubai ausgeliefert, ein zweites soll demnächst nach Tokio folgen.

Seit März können die Piloten gleich im Flugsimulator am Standort Donauwörth trainieren – im Original-Cockpit, versteht sich. „Wir können das Flugverhalten der Maschine perfekt bei allen Umweltbedingungen simulieren“, erklärt Charles Hebeka, Schulungsleiter der Trainings-Akademie. Dahinter steht ein strategisches Ziel: Mit Service-Leistungen will Eurocopter bis 2020 rund 50 Prozent des Umsatzes reinholen. Die Nachfrage beim Simulator sei jedenfalls enorm, berichtet Hebeka: „400 Flugstunden sind bereits gebucht.“

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