Tierkrankheiten

Ein neuer Impfstoff lässt Ferkel gesund wachsen


Dessau-Roßlau. Bloß Schwein gehabt? Nein, der „IQ Innovationspreis Mitteldeutschland“ ist Lohn für harte Arbeit. Mehr als zehn Jahre lang haben Volker Florian und Olaf Lüder, Forscher von IDT Biologika in Dessau-Roßlau, mit ihrem Team einen neuen Impfstoff für Schweine entwickelt.

Ende April wird das vorab gekürte Produkt voraussichtlich europaweit zugelassen. Damit werden Ferkel gegen die Ödemkrankheit immunisiert – eine üble Infektion, bei der die Tiere von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe malträtiert werden. Die Krankheit tritt in der Schweinezucht immer wieder auf. Vorbeugen ist bisher nicht möglich.

IDT Biologika wird das neue Produkt in Dessau herstellen und erhofft sich davon einen weiteren Sprung beim Umsatz. Der hat sich in den letzten fünf Jahren bereits mehr als verdoppelt, von 65 Millionen auf 150 Millionen Euro. Die Belegschaft wuchs in diesem Zeitraum von 600 auf heute 1.000 Beschäftigte.

33 Prozent der erkrankten Ferkel sterben

Möglich machen solche Erfolge Forscher wie Florian und Lüder. Sie haben sich die Ödemkrankheit genau angeschaut. „Hervorgerufen wird sie durch das Bakterium Escherichia coli“, so Lüder. „Es bildet im Körper der Tiere das Gift Shigatoxin, an dem sie rasch zugrunde gehen.“ Etwa ein Drittel der Ferkel stirbt.

Um die Krankheit auszutricksen, haben die beiden Forscher einen Bakterienstamm gentechnisch so verändert, dass er nun eine harmlose Variante von Shigatoxin abgibt. Der daraus gebildete Impfstoff regt das Immunsystem der Tiere an, Antikörper gegen giftiges Shigatoxin zu bilden.
Lüder betont: „Das Mittel ist ohne Nebenwirkungen für die Schweine.“

Zudem baue der Tierorganismus den Impfstoff mit der Zeit komplett ab. Auch in Zukunft könne man also ohne Bedenken ein Schnitzel genießen.
Mehr als zehn Jahre dauerte die Entwicklung des Impfstoffs – ein Riesenaufwand. Professor Hans-Joachim Selbitz, Chef der 60 Forscher der IDT-Biologika-Sparte Tiergesundheit: „Ein Mittelständler wie wir kann sich nur mit Forschung und neuen Produkten gut entwickeln.“

Der Forschungsplan für die nächsten zehn Jahre steht schon: Weitere clevere, neue Produkte von IDT sind zu erwarten. Mehr als 250 Millionen Euro hat das Unternehmen in den letzten 20 Jahren investiert. Fördergelder vom Bund und dem Land Sachsen-Anhalt halfen dabei.

Aber Selbitz merkt an: „Wenn die von den Regierungsparteien versprochene steuerliche Forschungsförderung endlich kommen würde, dann könnten wir noch mehr erreichen.“

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