Revolution in der Seefahrt

Ein kühner Plan: Transportschiffe ohne Besatzung

Hamburg. Flugzeuge und Fahrzeuge ohne Piloten an Bord gibt es bereits – nun soll dieses Prinzip auch auf die Seefahrt übertragen werden. Schon bald könnten Schiffe ohne Besatzung auf den Weltmeeren unterwegs sein, wenn es nach den Ingenieuren des britischen Konzerns Rolls-Royce geht.

Ohne Personal ließen sich die Betriebskosten für den maritimen Warentransport drastisch senken: Trotz aller Rationalisierungsmaßnahmen entfallen in der Seefahrt immer noch über 40 Prozent der Kosten auf die Besatzung.

Der Plan der Ingenieure sieht vor, die Schiffe vom Land aus zu steuern – ähnlich wie eine Drohne, die per Joystick von überall aus gelenkt werden kann.

Den Prototyp eines entsprechenden Kommandostands hat Rolls-Royce bereits in seiner Niederlassung im norwegischen Alesund eingerichtet. Dort wird der Rundumblick von der Brücke eines unbemannten Schiffes simuliert, den der „Kapitän“ künftig nicht mehr auf hoher See, sondern an Land auf seinem Monitor sehen würde.

Autonome Containerfrachter wären leichter – und um 15 Prozent sparsamer

„Die Idee ferngesteuerter Schiffe ist nicht neu“, erklärt Rolls-Royce-Ingenieur Oskar Levander. „Aber heute existiert die erforderliche Technik dafür.“ In anderen Branchen sei ja die Entwicklung hin zu Fernsteuerung längst Realität. „Es wäre daher nur logisch, das nun auch in der Schifffahrt anzuwenden.“

Die mannlosen Schiffe würden sich technisch und optisch radikal von herkömmlichen Frachtern und Tankern unterscheiden. Alle Räumlichkeiten für die Seeleute inklusive Kommandobrücke wären überflüssig, entsprechend würde sich die Nutzfläche vergrößern. Laut Levander wären die unbemannten Schiffe außerdem im Vergleich zu den herkömmlichen Modellen etwa 5 Prozent leichter. Und sie würden bis zu 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen.

Auch die EU befasst sich seit einiger Zeit mit dem Thema und betreibt ein ambitioniertes Forschungsprojekt namens „Munin“ (das Kürzel steht für „Maritime Unmanned Navigation through Intelligence in Networks“). Koordiniert wird das Projekt vom Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen, das auf dem Gelände der Technischen Universität Hamburg-Harburg angesiedelt ist.


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