Grunderwerbsteuer

Ein Hemmschuh für die Mobilität


Anstieg der Grunderwerbsteuer behindert Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt

Berlin. Der 1. Oktober 2011 ist kein guter Tag für viele, die ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen wollen. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg werden ab dann 5 Prozent Grunderwerbsteuer beim Kauf einer Immobilie fällig – statt der bisherigen 3,5 Prozent.

„Das ist eine Steigerung um 40 Prozent“, kritisiert Stefan Walter, Geschäftsführer der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund in Berlin. Bei einem Kaufpreis von 100.000 Euro fallen somit statt 3.500 dann 5.000 Euro an. Für Häuslebauer ist das ärgerlich – und für den Arbeitsmarkt problematisch.

Denn aus einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung geht hervor: „Bei einer durch hohe Transaktionskosten belasteten Wohneigentumsbildung wird die Mobilität eingeschränkt.“ Dies sei nachteilig „mit Blick auf die Flexibilität der Arbeitsmärkte“, besonders beim „Ausgleich regionaler Qualifikationsengpässe durch Zuwanderung“.

Im Klartext: Je höher die Anschaffungskosten, umso geringer ist die Bereitschaft, wegen eines Arbeitsplatzes den Wohnort zu wechseln. Zumal der Hausbau insgesamt durch die Anhebung der Grunderwerbsteuer oft noch teurer wird, als deren Bezeichnung glauben macht.

Nebenkosten von 13 Prozent

Wer zum Beispiel eine bereits bestehende Immobilie kauft, muss die Steuer auf den gesamten Wert zahlen, inklusive aller Einbauten, nicht nur auf Haus und Grund.

 

Schon ohne die anstehende Steuererhöhung liegen die Nebenkosten – mit der Maklercourtage und dem Grundbucheintrag – in Deutschland insgesamt bei 13 Prozent. Das ist deutlich mehr als in vielen anderen europäischen Ländern. Wenn der Preis für das Wunschhaus also zum Beispiel 200.000 Euro beträgt, dann sind für die Nebenkosten stolze 26.000 Euro fällig.

Mit den Mehreinnahmen durch die höhere Grunderwerbsteuer will die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg übrigens die Kinderbetreuung ausbauen. Und bittet damit auch die zur Kasse, die sie eigentlich fördern will.

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