Leitartikel

Ein existenzieller Fortschritt

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Was bringt uns die Soziale Marktwirtschaft? Aus dem Wust von Zahlen, die man ja oft so oder so interpretieren kann, ragt jetzt eine spektakulär heraus: Die Lebenserwartung der 14 Millionen Menschen auf dem Gebiet der früheren DDR liegt fast fünf Jahre höher, als wenn der Sozialismus dort so weitergemacht hätte wie in den 70er- und 80er-Jahren.

Das haben Forscher der Uni Rostock ermittelt. Fünf Jahre! Der Befund relativiert so manches, was immer wieder über die Lage im Land gesagt und geschrieben wurde. Hat man nicht den „Kahlschlag“ in den maroden ostdeutschen Fabriken, der auf den Fall der Mauer folgte, über lange Zeit als epochales Unglück zelebriert? Führt nicht angeblich die kapitalistische Arbeitsweise zur „Intensivierung und Entgrenzung von Arbeit“ und damit zum „Raubbau an der Gesundheit“?

Die Lebenserwartung, die auch im Westen kontinuierlich steigt, ist ein starkes Gegenargument. Übrigens auch gegen den Zeitgeist, man solle es mit dem ewigen Streben nach Mehr doch mal gut sein lassen. Ohne Wirtschaftswachstum wäre all das nicht denkbar: die medizinischen Durchbrüche, die trotz Geburtenrückgangs immer noch hohe Leistungsfähigkeit des Rentensystems, die verbesserten Arbeitsbedingungen. Wir sind nicht nur länger auf der Welt, wir sind auch länger fit und länger beruflich aktiv.

Auf derart existenziellen Fortschritt muss die Politik auch künftig alles ausrichten. Oder, wie es Professorin Renate Köcher ausdrückt, Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach: „Viele Menschen unterstützen die Marktwirtschaft nicht um ihrer selbst willen. Nur, wenn sie sich als Erfolgsmodell erweist.“


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