Interview

„Ein außergewöhnlich attraktives Angebot“


Wie die Arbeitgeber ihren Lösungsvorschlag für die diesjährige Tarifrunde begründen

Hannover. Zu dem kürzlich offerierten Gesamtpaket für die Tarifrunde 2012 befragten wir Wolfgang Niemsch, Präsident und Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall.

AKTIV: Geht der von Ihnen präsentierte Vorschlag weit genug?

Niemsch: Wir haben ein Angebot gemacht, das als Gesamtpaket außergewöhnlich attraktiv ist. Eine dauerhafte Anhebung der Entgelte um 3 Prozent bedeutet für die rund 100.000 Mitarbeiter der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie ein kräftiges Reallohnplus, das sie spürbar am Aufschwung beteiligt. Es ist das höchste Angebot seit Jahren. Hinzu kommt die Initiative zur Förderung der Ausbildung.

AKTIV: Sie wollen gemeinsam mit der IG Metall den Einstieg von lernschwachen Jugendlichen in die Betriebe erleichtern.

Niemsch: Rund 20 Prozent eines jeden Jahrgangs gelten als nicht ausbildungsreif – das dürfen wir aus sozialer Verantwortung und auch angesichts der demografischen Entwicklung nicht hinnehmen. Mit Blick auf den Fachkräftemangel wollen wir auch an der bewährten Regelung festhalten, Ausgelernte zunächst ein Jahr lang zu übernehmen. Und wir sagen ganz klar: Unser Ziel ist und bleibt es, sie nach Möglichkeit auch unbefristet einzustellen. Beim Thema Zeitarbeit unterstützen wir ausdrücklich die laufenden Verhandlungen über eine finanzielle Besserstellung der Zeitarbeiter durch Branchenzuschläge.

AKTIV: Zugleich fordern Sie mehr Spielraum beim Personaleinsatz. Warum? 

Niemsch: Nach der tiefen Wirtschaftskrise 2008/2009 möchten sowohl die Unternehmen als auch die Beschäftigten sicherstellen, dass man für das Auf und Ab der Weltkonjunktur in Zukunft besser gewappnet ist. So ein Zittern und Bangen darf uns nie wieder passieren! Deshalb brauchen wir mehr innerbetriebliche Flexibilität.

AKTIV: Und das heißt?

Niemsch: Die Metall- und Elektro-Betriebe sollen per Tarifvertrag die Möglichkeit bekommen, Arbeitsverträge für insgesamt bis zu 36 Monaten sachgrundlos befristen zu können, also 12 Monate länger. Darüber hinaus möchten wir mehr Mitarbeitern als bisher eine verlängerte Wochenarbeitszeit anbieten können, natürlich bei besserer

Bezahlung.

AKTIV: Gibt es die Chance auf eine schnelle Einigung?

Niemsch: Unser Gesamtpaket bietet beste Voraussetzungen für eine friedliche und rasche Einigung – mit mehr Geld für alle, mehr Chancen für die Jugend und mehr Sicherheit für Betriebe und Arbeitsplätze. Wir sind der IG Metall damit weit entgegengekommen. Vor allem für viele mittelständische Betriebe geht unser Lösungsvorschlag an die Grenze der Belastbarkeit. Denn wir dürfen nicht vergessen, aus welcher tiefen Krise sie kommen. Das steckt vielen noch in den Knochen.

Info: Der Vorschlag

Die wichtigsten Punkte des „Lösungsvorschlags“ der Arbeitgeber:

• 3,0 Prozent mehr Entgelt rückwirkend ab 1. April,

• lernschwachen Jugendlichen den Einstieg in die Branche erleichtern,

• Zeitarbeit durch Branchenzuschläge befrieden sowie

• mehr Flexibilität für die Betriebe schaffen: bei den Themen sachgrundlose Befristung und bezahlte Mehrarbeit.

 

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