Tarifrunde

Ein Abschluss für alle


4,1 Prozent mehr Geld, 15 Monate Laufzeit und ein gestaffelter Einstieg je nach Wirtschaftslage

Bad Honnef. Die Zeichen standen auf Sturm. Würden die Tarifpartner trotzdem zu einer gemeinsamen Lösung finden? Nach zwei Tagen zäher Verhandlungen stand fest: Es gibt 4,1 Prozent mehr Geld für die 550.000 Mitarbeiter in 1.900 Chemie-Betrieben. Auszubildende bekommen 35 Euro mehr. Laufzeit des Tarifvertrages: 15 Monate.

Mit ernstem Nicken bestätigen die Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen vom Bundesarbeitgeberverband Chemie BAVC und Peter Hausmann von der Chemie-Gewerkschaft IG BCE die Abmachung.

„Ein gerade noch vertretbarer Abschluss“

Ein Scheitern der Verhandlungen hatten beide Seiten bis zuletzt nicht ausgeschlossen. Zu unterschiedlich schätzten sie die aktuelle wirtschaftliche Lage ein. Besonders kleine und mittlere Unternehmen hätten noch Rückstand im Aufholprozess, so die Arbeitgeber. Sie kämpften um einen tragfähigen Beschluss für die ganze Branche. „Ich denke, das ist uns gut gelungen“, meint Hansen. Und er nennt die entscheidenden Punkte:

Die relativ lange Laufzeit von 15 Monaten (zuvor waren es nur 11 Monate).

Die Flexibilität am Beginn der Tariflaufzeit. Es gibt im Normalfall einen Leermonat ohne Erhöhung. Danach bleiben noch 14 Monate Laufzeit.

Betriebe, die wirtschaftlich zu kämpfen haben, können die Erhöhung um weitere zwei Monate hin- ausschieben.

Finanziell starke Unternehmen können ab dem ersten Monat erhöhen.

„Das ist ein gerade noch vertretbarer Abschluss für die gesamte Branche“, so BAVC-Präsident Eggert Voscherau. „Dieser Kompromiss setzt auch in Zukunft die Spitzenleistung aller Beteiligten voraus, wie wir es gewohnt sind.“

„Sozialpartnerschaft hat sich bewährt“

Rückblick: Mit einem großen Truck tourt die Gewerkschaft zwei Wochen lang durch die Lande. Lautstark fordert sie 7 Prozent mehr Lohn, mit Blick auf die wirtschaftliche Erholung. „Das schießt weit über das Ziel hin-aus!“, kontert Hansen. Denn nicht überall sieht es rosig aus. Viele Firmen haben das Niveau von vor der Krise noch nicht erreicht. Die Kosten für Rohstoffe und Energie schießen in die Höhe.

Und so verziehen sich die 160 Teilnehmer bei herrlichem Frühjahrswetter in die nüchternen Konferenzräume des Tagungshotels. Die Gewerkschaft verteilt Traubenzucker mit dem Aufdruck: „Energie für unseren Aufschwung“.

Doch die Lage ist angespannt, bald versiegt jeglicher Humor. Noch nicht einmal der kleine blaue Lachsack mit der roten Nase, den sich Hausmann provokativ zurechtgelegt hat, kommt zum Einsatz. Bis tief in die Nacht dauert die Beratung. Gegen 23 Uhr sagt Hansen knapp: „Die Lage ist weiter schwierig.“

Am Morgen regnet es. „Wir nehmen das als gutes Omen“, twittert die Gewerkschaftsjugend. Gegen 11 Uhr sickert durch: „Der Durchbruch steht bevor.“ Um 13.30 Uhr ist es so weit: Hansen und Hausmann treten gemeinsam vor die Kameras und verkünden das Ergebnis.

„Die Sozialpartnerschaft hat sich bewährt!“, resümiert IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis. Obwohl die Positionen weit auseinander lagen. „Wir sind mit sehr massiven Forderungen konfrontiert worden“, so Hansen im Gespräch mit AKTIV, „die harte Aufstellung der Gewerkschaft ließ wenig Gestaltungsaspekte.“ Doch am Ende habe man den „gordischen Knoten“ durchschlagen.

„Es gibt eine neue Form des Flächentarifvertrages“, lobt Hans Paul Frey, Hauptgeschäftsführer des BAVC, den Abschluss. Man habe nun eine Tabelle für alle, die aber flexibel wirksam würde.

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