Standpunkt

Eigenwerbung der plumpen Art

Wie ohne IG-Metall angeblich alles drunter und drüber ginge

Das ist ein dolles Ding: Ein Konzern liest einem Zulieferer die Leviten, weil er Mitarbeiter mies behandelt. So zumindest laut Gewerkschaftsblatt „Metallzeitung“. Es weiß von einem „mahnenden Brief“. Auszug: „Unser Betriebsrat hat uns mehrfach auf mögliche Arbeitsrechtsverletzungen in Ihrem Unternehmen aufmerksam gemacht.“

Wie bitte? Die für die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer Zuständigen stützen sich auf Hörensagen? Da würde man doch erst mal telefonieren, um die Einlassungen „unseres“ Betriebsrats zu prüfen. Und sich auf eigene Erkenntnisse stützen. Zumal die Behauptung von Rechtsverletzungen, falls sie sich als haltlos erweist, strafbar ist.

Vielleicht ist der Brief ja bei einem für die Betriebsratspflege eingeteilten nachrangigen Mitarbeiter bestellt worden. Und zwar vom örtlichen IG-Metall-Funktionär – der bei dem Zulieferer gegen die Geschäftsleitung die Wahl eines Betriebsrats durchgedrückt hat.

Seltsam liest sich auch die Beschreibung der Zustände, die zuvor geherrscht haben sollen: „Völlige Willkür bei der Bezahlung, der Schicht-Einteilung, von heute auf morgen wurdest du versetzt.“ Und: „Wer seine Meinung sagte oder gerade aus dem Fenster schaute, wenn der Chef kam, flog raus.“

Nun gibt es gewiss auch Betriebe mit schlechtem Klima. Doch dieser Schreckenskatalog der Betriebsratlosigkeit ist garantiert erlogen. Meinungs- und Blickkontrolle, regellose Vergütung, Schichteinteilung nach Tageslaune – warum sollte sich eine Geschäftsleitung solchen Stuss antun? Wer die Arbeitswelt kennt, bekommt da doch Zweifel – ob hier wohl ein AKTIV-Leser widerspricht?

Es ist eben nur eine flinke Gewerkschaftsfeder, die es so hinbiegt, als ob ohne IG Metall alles drunter und drüber geht. Und sich über das tolle Betriebsratsbüro begeistert: „An der Wand baumelt eine IG-Metall-Fahne, im Regal liegen IG-Metall-Broschüren, über der Spüle stehen IG-Metall-Tassen. Nächste Woche geht es zum ersten IG-Metall-Seminar.“ Na super. In dem auf Firmenkosten eingerichteten Agitprop-Nest werden die gewerkschaftsfremden Betriebsräte locker untergebuttert.

Arbeitnehmer verbringen einen Gutteil ihres Lebens im Betrieb und haben daher ein legitimes Interesse, an der Betriebsordnung mitzuwirken. Leider ermöglicht das Betriebsverfassungsgesetz, dass diese Wahrnehmung von allgemein-menschlichen Belangen durch Gewerkschaftsbelange überlagert wird.


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