Edel ist jetzt das hier


Hochglanz kriegt Konkurrenz: Trendige Luxus-Limousinen setzen auf „Mattlack“

Hanau. Der Anblick von „Mango Platin“ und „Mango Nachtschwarz“ erzeugt bei Auto-Fans Herzklopfen. Es sind die matten Töne auf der Farbpalette von Mercedes für das Luxus-Coupé CLK. Möglich macht es ein raffinierter Lack-Zusatz vom Spezialchemie-Hersteller Evonik.

Auch BMW, Audi, Alfa Romeo, Fiat, Lancia und sogar die Nobelmarke Rolls-Royce bieten ihre edlen Karossen neuerdings auf Wunsch im elegant matten Kleid an. Denn es hat andere optische Eigenschaften und bildet die Konturen der Karosserien auffällig anders ab.

Die Oberfläche trotzt jedem Wetter und fühlt sich dabei „samtig“ an, sagt Rüdiger Mertsch, Leiter An-wendungstechnik Coatings Solutions am Evonik-Standort Hanau in Hessen. Zwei Jahre lang haben Wissenschaftler an dem neuen Zusatz-Mittel auf Kieselsäure-Basis getüftelt.

Winzige Teilchen streuen das Licht

Im Prinzip führt nur ein kleiner Schritt zur veränderten Optik. Wie bei Hochglanz-Lackierungen folgt auf Grundierung und Füller eine Farbschicht. Die letzte Schicht besteht aus Klarlack. Darin stecken nun winzige Silicat-Partikel, die für zurückhaltenden Glanz sorgen.

Die Teilchen ragen für das menschliche Auge unsichtbar aus dem Lack hervor. „Sie verändern die Lackoberfläche so, dass einfallendes Licht ungerichtet gestreut wird“, erklärt Chemiker Mertsch.

Die Herausforderung dabei: Das Mittel, ein weißes Pulver, muss sparsam im Einsatz sein und darf das Fließverhalten (Viskosität) des Lackes nicht verändern. Und es muss so beschaffen sein, dass es im Lack einen hochtransparenten Eindruck hinterlässt. „Sonst kommt die darunterliegende Basisfarbe nicht voll zur Geltung.“

Wermutstropfen: Bei häufigem Polieren kann der matte Effekt abschwächen. Deshalb Waschanlagen mit Lamellen statt Bürsten aufsuchen.

Nun ist die extravagante Lackierung nicht billig: zwischen 1.500 und 4.000 Euro Auf­preis. Liegt das am teuren Produkt? „Sicher nicht“, versichert Bernd Hofmann, Leiter Marktsegment Coatings Solutions im Geschäftsgebiet Silica. Vielmehr werden die Wagen bisher nur in kleiner Stückzahl oder von Hand lackiert.

Sobald sie in Serie gehen, wird es günstiger.

 

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