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Engpass bei den Akkus

E-Mobilität: Ausbau von Produktion und Rohstoff-Nachschub sind Herausforderung

Wie rasch kommt das Elektroauto? 2025 soll ein Viertel der Neuwagen vieler Hersteller ein Batterie-Auto sein. Doch es gibt eine Herausforderung: Riesige Akku-Fabriken müssen errichtet werden. Das kostet 60 bis 100 Milliarden Euro.

Angebot ist knapp: Die Hersteller in Asien kommen mit der Akku-Produktion kaum nach. Foto: dpa

Angebot ist knapp: Die Hersteller in Asien kommen mit der Akku-Produktion kaum nach. Foto: dpa

Begehrte Akkus: Arbeiter von Panasonic mit frisch gefertigten Lithium-Ionen-Akkus. Foto: Getty

Begehrte Akkus: Arbeiter von Panasonic mit frisch gefertigten Lithium-Ionen-Akkus. Foto: Getty

Aachen. Das Elektroauto nimmt weiter Fahrt auf. 1,2 Millionen E-Mobile wurden letztes Jahr weltweit zugelassen. Das ist Rekord. Für 2020 rechnet die Internationale Energieagentur bereits mit immerhin 9 Millionen Batterieautos rund um den Globus – gegenüber zuletzt 83,6 Millionen weltweit produzierten Verbrennern.

Wie rasch die E-Mobilität zunehmen kann, ist aber noch nicht ausgemacht. Derzeit kommen die Akku-Hersteller in Asien mit der Produktion kaum nach. „Das Angebot verknappt sich“, berichtet Professor Egbert Figgemeier, Batterie-Experte an der renommierten Hochschule RWTH Aachen.

60 bis 100 Milliarden Euro an Investitionen nötig

Zum einen hat der US-Autobauer Tesla im großen Stil Akkus gekauft. Zum anderen wachsen die Verkaufszahlen bei Akku-Werkzeug oder E-Bikes. Vor allem deren oft mittelständische Hersteller haben jetzt Nachschub-Probleme. „Die Preise sinken nicht mehr, sondern steigen tendenziell“, so Figgemeier.


Da wird es schwer für viele europäische Autohersteller, ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen: Bereits in sieben Jahren sollen 25 Prozent der Neuwagen E-Fahrzeuge sein. Erforderlich wäre dafür eine jährliche Fertigungskapazität von 600 bis 1.000 Gigawattstunden Speicherleistung. Das würde Investitionen zwischen 60 und 100 Milliarden Euro erfordern.

Bolivien will 800 Millionen Dollar in Lithium-Förderung stecken

Schon bei den Rohstoffen für die Lithium-Ionen-Akkus wird es eng: Die Kobalt-Förderung müsste um das 19-Fache und die von Lithium um das 25-Fache zunehmen, wenn es etwa in zwei bis drei Jahrzehnten tatsächlich nur noch E-Autos geben sollte. Das haben Analysten der Schweizer UBS-Bank errechnet.

Das Problem, so die Studie, seien weniger die Reserven als die Förderkapazitäten. Lithium-Lieferland Bolivien etwa will 800 Millionen Dollar in die Förderung investieren; bei solchen Großprojekten kann es aber Verzögerungen geben. Angespannt ist die Versorgung bei Kobalt, das zumeist aus dem afrikanischen Krisenland Kongo kommt. Der Preis hat sich letztes Jahr auf 75 Dollar je Kilo verdoppelt.

China will Produktion auf 120 Gigawattstunden verdoppeln

Ebenso groß ist die Herausforderung, die Akku-Produktion schnell genug zu erhöhen, sogenannte „Gigafactorys“ zu bauen. Man nennt die Riesenbatteriewerke so, weil sie mehr als eine Gigawattstunde (eine Million Kilowattstunden) Akkukapazität pro Jahr liefern. So hat Tesla vor vier Jahren mit dem Bau einer Gigafactory in Nevada begonnen. Sie ist erst zu 30 Prozent fertig.

Zudem hat China große Expansionspläne. Bis 2020 wollen die Hersteller dort ihre Akku-Fertigung auf 120 Gigawattstunden mehr als verdoppeln – genug für 4,8 Millionen Pkws im Jahr.

Und wie sieht es in Europa aus? Derzeit bauen koreanische Firmen drei Werke in Ungarn und Polen, darunter aber nur eine größere Fabrik. Der chinesische Hersteller CATL, der BMW und VW beliefert, hat Pläne in Deutschland. Und ein Konsortium aus 19 deutschen Firmen („Terra E“) will hierzulande ein zunächst kleines Werk errichten.

Den Europäern ist das nicht genug: Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, will Fabrikneubauten mit Milliardenzuschüssen fördern – um unabhängiger von Importen zu werden und die hiesige Produktion zu sichern.

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