Bundestagswahl

Drei Wünsche an die Politik


Was die Chemie von der kommenden Regierung erwartet

Was würden Sie sich wünschen? Wenn die Fee plötzlich vor Ihnen steht, mit dem Zauberstab wedelt und sagt: „Sie haben drei Wünsche frei“? Geld, Glück und Gesundheit – so oder ähnlich dürfte die Antwort ausfallen.

Und wie sähe das aus, wenn eine ganze Branche wie die Chemie ihre wichtigsten Wünsche äußern könnte? Zum Beispiel an die künftige Bundesregierung. – AKTIV hat nachgeforscht: Was erwartet die Chemie von der Politik?

Ganz oben auf der Wunschliste steht bezahlbare und sichere Energie, vor allem Strom. Die Chemie-Industrie (175 Milliarden Euro Umsatz, 440.000 Beschäftigte) verbraucht ein Zehntel der elektrischen Energie Deutschlands. Sie ist ihr Lebenssaft. Dabei geht sie mit Kosten in den Wettbewerb, die international zu den höchsten zählen.

Rund 4,6 Milliarden Euro geben ihre Unternehmen pro Jahr für Energie aus, davon allein 3 Milliarden Euro für Strom. Tendenz steigend.

Ein wichtiger Grund ist der Klimaschutz. Was die Fieberkurve des Planeten stabilisieren soll, macht den Saft teurer: die Ökosteuer, die Umlage, mit der die Anbieter von Wind- und Sonnenstrom gefördert werden, und die Ausstoßrechte für das Klimagas Kohlendioxid (CO2). Kohle- und Gaskraftwerke, die CO2 ausstoßen, benötigen für jede Tonne ein Zertifikat. Und die werden an der Börse in Leipzig gehandelt.

Stromrechnung steigt um 900 Millionen Euro

„Der Emissionshandel ist derzeit ein großer Kostentreiber“, schildert Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie. „Er belastet die Branche schon heute mit fast 500 Millionen Euro im Jahr. Von 2013 an, wenn die EU die Zertifikate deutlich verknappt, dürften zusätzlich Kosten von fast 900 Millionen Euro im Jahr auf die Chemie zukommen. Und das ist die Untergrenze.“

Für die exportorientierte Branche ist günstige Energie aber eine „Überlebensfrage“, so Merck-Chef Karl-Ludwig Kley. „Wir können angesichts der weltweiten Konkurrenz bei der Energie nicht unbegrenzt draufzahlen.“ Firmen in Amerika und Asien benötigen keine teuren Klimazertifikate.

Wunsch Nummer eins also, so Tillmann: „Stromkosten wettbewerbsfähig halten. Das heißt unter anderem, beim verschärften Emissionshandel ab 2013 einen Ausgleich für die steigenden Stromkosten schaffen. Längerfristig brauchen wir ein weltweites Emissionshandels-System. Erst das bringt globalen Klimaschutz und hilft zudem, Wettbewerbsverzerrungen zu verringern.“

Auf dem zweiten Platz der Wunschliste: mehr Mut der Politik zu neuen Technologien. Und zwar nicht nur zu Solarenergie, Hightech-Akkus und Brennstoffzellen. Sondern auch zur grünen Gentechnik.

„Sie bietet eine Menge Chancen, vor allem für Ernährung und Rohstoffe aus der Natur“, argumentiert Tillmann. Neue Maissorten bringen bei trockenerem Wetter gute Erträge. Neuer Reis kann Kohlendioxid besser verwerten. Kartoffeln stellen Vorprodukte für Kunststoffe her. In der Forschung sind deutsche Wissenschaftler spitze. Doch der Anbau bekommt hierzulande keine Chance.

Man darf auch mal abgucken

„Wenn wir uns weiter endlose Debatten über die Einführung neuer Technologien leisten, müssen wir uns nicht wundern, wenn Arbeitsplätze und Wohlstand woanders entstehen“, mahnt Bayer-Chef Werner Wenning.

Wunsch drei, so Tillmann: „Die Forschungsförderung ausbauen.“ Die Branche hätte gern, wenn der Staat Investitionen in die Forschung auch dadurch fördert, indem er 10 Prozent der Kosten erstattet. „Das kann man sich ruhig bei anderen Ländern abgucken“, sagt Tillmann. „Das bringt Innovationen richtig voran.“ Damit das Land der Ideen besser aus der Krise kommt.

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Schlagwörter: Chemie Politik

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