Leitartikel

Drei Konsequenzen aus dem Pendler-Rekord

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Deutschland hat ein neues Aufreger-Thema: der lange Weg zur Arbeit. 17 Kilometer sind es laut einer neuen Studie im Durchschnitt, 60 Prozent arbeiten außerhalb des Wohnorts, das ist Rekord. Jetzt wird wieder alles Mögliche gefordert. Die Wirtschaft soll mehr Homeoffice erlauben, die Politik das Pendeln nicht mehr steuerlich begünstigen und so weiter. Doch die steigende Mobilität wird damit falsch bewertet.

Erstens: Das Werktor ist halt da, wo es ist. Mit der Arbeitswelt zu hadern, dafür bietet die Pendler-Statistik keinen Anlass. Die Wirtschaft hat seit dem Jahr 2005 rund 5,2 Millionen zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Und übrigens durch Innovation dafür gesorgt, dass trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens die Luft sauberer und der Treibhausgas-Ausstoß geringer wurden.

Zweitens: In Lebensentwürfe hat keiner reinzureden. Wer leichtfertig den Dieselmotor als Auslaufmodell bezeichnet, den Spritpreis zu niedrig findet oder Pendler steuerlich schlechterstellen will, muss wissen: Er ignoriert die Interessen der Mehrheit. Alte Eltern, der Job des Partners, Freunde – es gibt viele gute Einwände gegen den Ratschlag, näher an den Betrieb zu ziehen. Wer pendelt, verdient Respekt. Und Unterstützung.

Drittens: Jeder muss gut auf sich achtgeben. Es sind die unerwarteten Staus und Zugverspätungen, die besonders nervig sind – also empfiehlt sich vor dem Start der Blick auf die App. Lässt sich der Arbeitsweg als Kulturzeit nutzen (Hörbuch), zum Gedankenaustausch (Fahrgemeinschaft), fürs Fitnesstraining (Fahrrad)? Dass wir uns das Leben gut gestalten: Diesen Job kann uns keiner abnehmen.


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