Studie zu Industrie 4.0

Digitalisierung: Niedersachsens große Metall- und Elektro-Firmen sind auf richtigem Weg

Niedersachsen und die Industrie 4.0: Fast jedes dritte Metall- und Elektrounternehmen hat seine Strategie schon darauf ausgerichtet. 60 Prozent erwarten mehr Umsatz dadurch. Eine Studie zeigt, wie weit die Digitalisierung ist.

Licht ins Dunkel: So wie der Leuchtturm Obereversand zeigt die neue Digital-Studie, wo es langgehen muss. Fotos: dpa, Fotolia

Licht ins Dunkel: So wie der Leuchtturm Obereversand zeigt die neue Digital-Studie, wo es langgehen muss. Fotos: dpa, Fotolia

Hannover/Dorum. Kein Megatrend verändert Wirtschaft und Gesellschaft derzeit so rasant und nachhaltig wie die Digitalisierung. Für Standorte und Unternehmen gleichermaßen eröffnen sich große Chancen durch die Vernetzung von Produktion, Produkten, Unternehmen und Märkten.

Was das für den Standort Niedersachsen und besonders seine Industrieunternehmen bedeutet, worauf sie hoffen und was sie befürchten, hat die Kölner Unternehmensberatung IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall untersucht. Damit entsteht ein aktuelles Bild über den Status quo sowie die Chancen und Risiken, die für den Industriestandort Niedersachsen in der Digitalisierung liegen. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick.

Die Digitalbranchen wachsen schneller

Niedersachsens Unternehmen wachsen in der Informations- und Kommunikationstechnik (kurz: IKT) dynamisch und schneller als andere Branchen. Seit 2007 ist die Beschäftigung um 22 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 17 Prozent außerhalb dieses Bereichs. Insgesamt sind in den Digitalunternehmen derzeit 56.324 Mitarbeiter tätig. Das entspricht 2 Prozent aller landesweit Beschäftigten.

Niedersachsen ist stark in den Städten und auf dem Land

Hannover ist ebenso Landeshauptstadt, wenn es um die Digital-Jobs geht. 20.332 Arbeitsplätze der Informations- und Kommunikationstechnologie – mehr als jeder Dritte Job der Branche – sind hier zu finden. In einigen Teilen Niedersachsens ist die Bedeutung besonders groß: So weisen Städte wie Braunschweig (5,8 Prozent), Oldenburg (4,3 Prozent) und Hannover (4,2 Prozent) eine hohe Beschäftigtenzahl in der Digital-Branche auf.

Aber auch ländliche Regionen sind dynamisch. Der Landkreis Hameln-Pyrmont liegt mit 4,2 Prozent gleichauf mit Hannover. Zugleich ist der Kreis Wachstumssieger: Seit 2007 hat die Zahl der Mitarbeiter hier um 70 Prozent zugenommen.

Digitalisierung sollte mehr in die Breite gehen

Das Wachstum in der IKT-Branche ist das eine, die Digitalisierung aller Unternehmen ist das andere. Hier liefert die Untersuchung gemischte Ergebnisse. Niedersachsens Leuchttürme mit überdurchschnittlich vielen digitalen Unternehmen sind die Städte Osnabrück, Emden, Wolfsburg und Oldenburg.

Hinzu kommt der Landkreis Lüneburg: Hier haben die Unternehmen den höchsten digitalen Reifegrad verglichen mit ganz Deutschland. Auf die Gesamtwirtschaft und das Land gerechnet, haben Niedersachsens Unternehmen noch etwas aufzuholen: Der Digitalisierungsgrad liegt im Durchschnitt bei 4,8 Punkten – 0,1 Punkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Erste Schritte zur Industrie 4.0 sind getan

Vor allem Niedersachsens Industrie ist bereits überdurchschnittlich stark digitalisiert. Der Entwicklungsstand ist allerdings abhängig von der Unternehmensgröße. 60 Prozent der Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zählen zu den Fortgeschrittenen, wenn es um die Bereitschaft für Industrie 4.0 geht, also die Vernetzung von Prozessen, Produkten und Unternehmen. Weit vorangeschrittene Pioniere gibt es im Bundesland aber nur wenige.

Anders sieht die Situation allerdings bei Unternehmen mit bis zu 99 Mitarbeitern aus: 70 Prozent davon sind noch nicht bereit für Industrie 4.0.

Was den Firmen nützt, hilft auch dem Standort

Die Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen macht es vor. Hier sind die Betriebe am weitesten digitalisiert mit einem Reifegrad von 7,5 Punkten im Schnitt – 4,8 Punkte sind es bei allen Branchen zusammen.

Fast jedes dritte Unternehmen hat seine Strategie schon hierauf ausgerichtet – doppelt so viele wie im Bundesschnitt. 60 Prozent von Niedersachsens Metall- und Elektro-Industrie erwarten bis 2021 mehr Umsatz dank der digital angebundenen Produkte – und zwar im Schnitt 8 Prozent mehr.

Dies dürfte dem Industriestandort Niedersachsen insgesamt nutzen. Er kann innovative Betriebe vorweisen, die für die Zukunft gerüstet sind. 68 Prozent von ihnen erwarten positive oder sehr positive Auswirkungen. Damit blicken vor allem die Metall- und Elektro-Unternehmen der Region besonders zuversichtlich voraus, verglichen mit dem Bundesschnitt.

Die Politik muss unterstützen

Aus den Hemmnissen leiten sich Forderungen an die Politik ab. So besteht unternehmensübergreifend der Wunsch, dass Niedersachsen mehr für MINT-Bildung in Schulen tut. Als zentrale technische Voraussetzung für Digitalisierung drängen Firmen auf einen besseren Breitbandausbau. Kleine und mittlere Unternehmen wollen zudem die Datensicherheit gewährleistet sehen, während Großunternehmen einheitliche Normen und Standards für digitale Prozesse einfordern.


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