RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Themen-Special: Leben 4.0

Digitalisierung ermöglicht die Verkehrswende

Carsharing, autonome Busse, E-Bikes: Digitalisierung wird die Art verändern, wie wir uns fortbewegen. Svenja Polst, Verkehrsexpertin und Psychologin vom Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern, über Mobilität von morgen.

Optimistisch: Svenja Polst, Fraunhofer-Institut Kaiserslautern, setzt auf digital vernetzte Mobilitätslösungen. Foto: Roth

Optimistisch: Svenja Polst, Fraunhofer-Institut Kaiserslautern, setzt auf digital vernetzte Mobilitätslösungen. Foto: Roth

Mal eine einfache Frage: Warum sind wir alle eigentlich ständig unterwegs? Wir fahren zur Arbeit. Zur Schule. Zum Einkaufen. In unserer Freizeit sind wir auch noch auf Achse. Die Folge: Stau. Stress. Wir rennen uns ab. Und kommen trotzdem noch zu spät.

Aber was wäre, wenn viele Anlässe, wegen derer wir uns heute noch zwingend von A nach B bewegen müssen, wegfielen? Würde dann nicht unsere Lebensqualität steigen? Weniger Verkehr, bessere Luft? Und mehr Zeit?

Es wäre eine Wende. Mobilität verbessern, indem man sie reduziert. Digitalisierung macht das möglich. Aber dafür müssen wir etwas tun: offen sein für Neues!

Menschen werden immer in die Fabrik fahren. Aber nicht mehr alle gleichzeitig

„Willst du Mobilität etwa abschaffen?“, werde ich oft gefragt. „Ja“, sage ich dann, „ein Stück weit.“ Das klingt radikaler, als es eigentlich ist. Wir beim Fraunhofer-Institut für experimentelles Software Engineering haben das untersucht. Und glauben: Digitale Angebote werden bald dafür sorgen, dass unsere physische Anwesenheit vor Ort einfach nicht mehr in jedem Fall erforderlich ist.

Am Arbeitsplatz zum Beispiel. In ein paar Jahren schon werden Homeoffice oder wohnortnahe, flexibel mietbare Arbeitsplätze, Co-Working-Spaces, völlig normal sein. Klar, auch in zehn Jahren noch werden Menschen zu ihrem Arbeitsplatz fahren, in die Fabrik etwa. Aber eben nicht mehr alle, gleichzeitig und jeden Tag.

Schüler und Studenten werden vernetzt und online lernen. Einkaufsfahrten werden weniger, weil an Packstationen vor dem Haus automatisch geliefert wird. Und weil man beispielsweise für einen Dübel nicht mehr in den Baumarkt muss. Sondern sich schnell online eine Lizenz kauft und das Teil dann am 3-D-Drucker selbst ausdruckt.

Das Auto intelligenter nutzen, besser auslasten

Für die verbleibenden täglichen Wege werden wir ganz selbstverständlich multimodale Angebote nutzen. Bus und Bahn, Leihräder mit Elektromotor, viel mehr Carsharing, dazu Kleinstfahrzeuge wie Hoverboards. Wohnanlagen oder Straßenzüge werden eigene Autoflotten haben, die ihre Bewohner sich teilen. Temporäre Nutzung statt dauerhafter Besitz! Digital organisiert. Eine Mobilitäts-App, gespeist mit Echtzeitdaten, wird uns die aktuell optimalen Verkehrsmittel anzeigen.

In ländlichen Regionen steigt die Attraktivität des Nahverkehrs durch autonom fahrende Busse. Weil sie günstiger zu betreiben sind, gibt es mehr Linien und bessere Taktung. Ich rede nicht von Hyperloops oder Personen-Drohnen. Ich rede von greifbaren digital vernetzten Mobilitätslösungen.

Wir müssen unsere Gewohnheiten ändern!

Aber auf eine solche Zukunft müssen wir uns auch einlassen. Neugieriger werden, unsere Gewohnheiten ändern. Wir müssen bereit sein, mehrfach das Verkehrsmittel zu wechseln. Aber warum nicht, wenn die Angebote sofort zur Verfügung stehen und wir damit schneller sind?

Es geht nicht darum, das Auto zu verteufeln. Digitalisierung aber wird helfen, es intelligenter zu nutzen. Besser auszulasten. Alternativen bereitzustellen.

Die digitale Mobilitätswende ist möglich. Wir müssen sie nur wagen.


Die weiteren Artikel des Themen-Specials:

Roboter, künstliche Intelligenz, Industrie 4.0: Muss man vor moderner Technik Angst haben? Wir haben drei Menschen getroffen, die zum Thema Digitalisierung etwas ganz Besonderes zu sagen haben. Botschaft: Entspannt euch!

Hilfe, die Roboter kommen. „Na und?“, sagt Mads Pankow, Technik-Philosoph in Berlin. Die Ängste vor tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt versteht er zwar. „Aber sie sind nicht berechtigt.“ Wie meint er das?

Krise in der Pflege: Zu wenig Personal, zu viele Alte. Der demografische Wandel schlägt zu. Rainer Wieching, Forschungsleiter an der Uni Siegen, über die Rolle von digitaler Technik in der alternden Gesellschaft.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang