Metall- und Elektro-Jobs

Diese Frauen packen an


Jeder fünfte Mitarbeiter in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie ist eine Frau. An Band oder Maschine stehen trotzdem fast nur Männer. Nicht einmal  einer von zehn Auszubildenden in technisch-gewerblichen Berufen ist weiblich. Die Arbeit in der Produktion: Ist sie also doch reine Männersache? Wir stellen drei Frauen vor, die das völlig anders sehen.

Neben dem heißen Eisen: Nicole Rückerl muss immer dort hin, wo ihre Kollegen sind – etwa um die Lärmbelastung am Arbeitsplatz zu prüfen. Foto: Karmann

Faszination Eisen

Nicole Rückerl (32) hat die Männer im rauen Alltag einer Gießerei überzeugt

Amberg. Es ist laut. Es ist heiß. Und es ist schmutzig. Das Umfeld von Nicole Rückerl ist nicht immer einladend. Die 32-jährige Umweltingenieurin arbeitet für die Luitpoldhütte in Amberg. Sie ist in der Gießerei die Beauftragte für Umwelt und Arbeitssicherheit – und liebt ihren Job.

„Hitze, Lärm und Dreck gehören zu meinem Beruf einfach dazu“, sagt Rückerl, die in der Landwirtschaft groß geworden ist. Auch deshalb sei sie hart im Nehmen. „In meinem Job darf man nicht aus Zucker sein. Wenn ich gebraucht werde, bin ich bei meinen Kollegen in der Gießerei“, erklärt sie.
Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt die Oberpfälzerin im Büro, beschäftigt sich mit Emissionsrechten, Grenzwerten und anderen Behörden-Angelegenheiten, die für das Unternehmen wichtig sind. Aber Sicherheitsschuhe, Kittel, Helm und Schutzbrille sind immer griffbereit. Ohne die geht’s nicht raus in die Produktion.

Und dort muss Rückerl regelmäßig hin. Etwa um den Lärm an den Arbeitsplätzen zu messen. Oder um festzustellen, ob die Filter­anlagen der Gießerei richtig funktionieren. „Nach ein paar Stunden bin ich dann genauso schwarz im Gesicht wie jeder Arbeiter“, berichtet Rückerl. Für sie wurde deshalb auch extra eine Frauen-Dusche eingerichtet. Die ist Vorschrift.
Der Berufseinstieg vor sechs Jahren war nicht ganz einfach für sie. „Junge Frau, frisch von der Hochschule, arbeiten in einer rauen Männer-Welt – ich habe mir das gut überlegt“, sagt sie rückblickend. „Aber heißes Eisen hat mich zu sehr fasziniert.“

Vor allem alte Hasen in der Gießerei haben die Neue anfangs sehr kritisch beäugt. Dass sie als Beauftragte für Arbeitssicherheit den Männern manchmal klare Ansagen machen musste, hat die Situation nicht einfacher gemacht. „Es ist dann wichtig, dass die Mitarbeiter überzeugt werden“, sagt sie heute. Nach kurzer Zeit sei sie voll akzeptiert gewesen.

In der Montage: Tanja Marthold arbeitet seit ihrer Kindheit gerne an Motoren und Fahrzeugen. Foto: Karmann

Alles für den Motor

Tanja Marthold (33) liebt ihre Arbeit im MAN-Werk

Nürnberg. Ihr Job ist nichts für Prinzessinnen. Tanja Marthold ist Motorenschlosserin im Nürnberger MAN-Werk – als einzige Frau in einem Team von 30 Kerlen. Trotzdem fühlt sich die 33-Jährige pudelwohl. Ein Grund dafür ist die entspannte Arbeitsatmos­phäre. „Frauen sind manchmal kompliziert und oft auch zickig“, sagt sie, „Männer sind eher geraderaus, das liegt mir.“

Mit den Kollegen arbeitet Marthold in der Standmontage. Dort werden nicht wie an den vielen Bändern um sie herum Lkw-Motoren produziert, sondern Antriebe in kleineren Stückzahlen für Yachten oder Busse gefertigt.

Als Kind dem Papa beim Basteln zugeschaut

Das Team verlegt zum Beispiel Kabelbäume oder baut Ladeluftkühler und Wärmetauscher ein. „Die Arbeit gefällt mir, weil sie so abwechslungsreich ist“, sagt die MAN-Frau, „und außerdem kann ich an Motoren arbeiten. Das wollte ich schon immer.“

Nicht ganz unschuldig daran ist Martholds Vater. Als Kind hat sie ihrem Papa oft zugeschaut, wenn der leidenschaftliche Biker an seinem Motorrad gebastelt hat. Das Interesse an Fahrzeugen und Motoren hielt bis ins Teenager-Alter. Deswegen machte die Tochter eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin in einer kleinen Werkstatt. Vor 14 Jahren kam sie dann nach der Lehre zu MAN.

„Ich wollte das machen, was mir Spaß macht“, erzählt die Motorenschlosserin. „Damals habe ich nicht eine Sekunde überlegt, ob ich als Frau in einer von Männern geprägten Umgebung arbeiten soll.“ Sie ist noch heute glücklich über ihre Entscheidung.

Am Werkzeug: Sarah Prestele arbeitet lieber mit der Flex, als vorm Computer zu sitzen. Foto: Puchner

Lust auf die Flex

Auszubildende Sarah Prestele (19) wechselte vom Büro in die Fertigung

Unterthingau. Sie ist jung, klein und zierlich. Frauen wie Sarah Prestele erwartet man am wenigsten in der Fertigung eines Metall-Betriebs. Aber die angehende Industriemechanikerin des Allgäuer Spannsystem-Herstellers Allmatic hantiert mit der Flex so selbstverständlich wie ihre männlichen Kollegen.

„Früher habe ich nie daran gedacht, einmal in der Produktion zu arbeiten“, erzählt die 19-Jährige. Ihr Plan war eine Ausbildung zur Industriekauffrau und eine klassische Karriere hinterm Schreibtisch. „Ich habe mich von typischen Rollenbildern leiten lassen“, sagt sie.

„Ich kann gut mit Männern“

Zum Glück kam aber alles anders. Denn Allmatic schickt alle neuen Mitarbeiter erst einmal für zwei Monate in die Fertigung. In der Lehrwerkstatt des 60-Mann-Betriebs wird zunächst ausgiebig gefeilt, gefräst und gebohrt. Dann lernt man Produkte und Betriebsabläufe besser kennen.

„Mir war danach klar, dass ich nicht mehr ins Büro will“, erzählt Prestele. Sie sattelte um. Mit den Händen zu arbeiten, machte ihr einfach Spaß. Dass die Finger dabei mal schmutzig werden und die Kleidung verschmiert – egal. „Und wenn der Fingernagel ab ist, dann ist er eben ab“, sagt sie.
Die Männer-Dominanz in der Fertigung hat die Auszubildende nicht abschrecken können. Bis vor zwei Monaten war sie dort die einzige Frau. „Ich kann gut mit Männern“, erklärt Prestele. „Man muss nur selbstbewusst auftreten und darf nicht zimperlich sein.“

Ein Kollege hat zudem eine weitere Strategie beobachtet: „Mit Ruhe und Charme lässt die Sarah einige ältere Brummbären ganz schön nach ihrer Pfeife tanzen.“

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