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Geld sparen per Leasing

Dienstrad: So kommen Arbeitnehmer günstiger ans Traum-Bike

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten den Service, ein Dienstfahrrad zu leasen. Das lohnt sich, denn: Nach Berechnungen des Auto Club Europa können Bike-Besitzer so im Schnitt 15 bis 30 Prozent vom Kaufpreis sparen.

Foto: Adobe Stock

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Unter den Millionen Fahrrädern in Deutschland stellen sie noch eine vergleichsweise kleine Minderheit dar, doch sie werden immer mehr: sogenannte Diensträder. Wie viele es genau gibt, ist nicht bekannt – auf mehr als 200.000 schätzte sie der Bundesverband mittelständische Wirtschaft 2016. Die Zahl dürfte jetzt einiges höher sein.

Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, ein geleastes Dienstfahrrad zu beziehen. Seit 2012 wächst der Fahrradleasingmarkt rasant. Den Boom ausgelöst hat die damalige Änderung der Steuerregeln für Fahrräder. Seitdem profitieren auch Radler vom sogenannten „Dienstwagenprivileg“ – wonach Arbeitnehmer lediglich 1 Prozent vom Listenpreis des Rads für die private Nutzung versteuern müssen. Allein der Marktführer Jobrad in Freiburg hat inzwischen Verträge mit 6.000 Unternehmen von Klein bis Groß, so Pressesprecherin Rita Leusch. Im September 2015 waren es erst rund 1.000.

Weil die Unternehmen die eigenen Kosten für die Beschaffung der Diensträder bei den Betriebsausgaben geltend machen können, „sind sie für den Arbeitgeber fast kostenneutral“, so Leusch. Zudem ist ein Dienstrad ein Angebot, das – anders als etwa der Firmenwagen – allen Mitarbeitern eines Unternehmens offensteht. Vom Produktionsmitarbeiter bis zum Chef, und auch zusätzlich zum Dienstwagen. Viele Unternehmen bieten den Angestellten sogar die Möglichkeit, mehrere Diensträder zu beantragen, etwa für den Partner gleich mit oder für die Kinder.

Rennrad, E-Bike und mehr: Drahtesel nach Wahl

Für die Arbeitnehmer, die etwas für ihre Gesundheit und die Umwelt tun wollen, stellt ein Dienstrad hingegen auch eine Gelegenheit dar, vergleichsweise günstig ans Traum-Bike zu kommen. Denn welches Modell sich der Angestellte aussucht, bleibt ihm selbst überlassen – ob schnittiges Rennrad, Tourenrad oder E-Bike.

Der Weg zum Dienstrad ist relativ einfach: Der Arbeitnehmer sucht sich bei einem kooperierenden Fachgeschäft ein Rad seiner Wahl aus. Anschließend bestellt er sein Dienstrad online im Portal und holt sich in diesem Zug, die Genehmigung seines Arbeitgebers ein. Die Bestellung trifft beim Leasingunternehmen ein und wird auch dort freigegeben. Kurze Zeit später erhält der Arbeitnehmer von seinem Fachgeschäft die Information, dass er sein Rad abholen kann.

Hochwertige Fahrräder werden bevorzugt

Der Trend beim Dienstrad geht eindeutig zum hochwertigen Gerät. Bei Jobrad etwa sind bereits die Hälfte der geleasten Zweiräder E-Bikes, und der durchschnittliche Preis eines Rads – egal ob mit oder ohne elektrische Unterstützung, liegt bei rund 2.500 Euro. Denn durch das Leasing kommt man insgesamt günstiger an ein hochklassiges Fahrrad als beim Privatkauf: Nach Berechnungen des Auto Club Europa zahlt man im Schnitt 15 bis 30 Prozent weniger.

Zwar ist der Arbeitgeber der Leasingnehmer, der seinem Angestellten das Fahrrad überlässt, dennoch zahlen oft die Arbeitnehmer die Leasingraten. Manche Unternehmen übernehmen sie allerdings auch oder beteiligen sich mit einem bestimmten Betrag. Einen gewissen Anteil an den Kosten muss der Arbeitgeber allerdings zahlen, etwa die obligatorische Versicherung oder die Wartung. Denn steht der Angestellte für sämtliche Kosten gerade, gilt das Bike steuerlich nicht als Dienstrad.

Sparen durch Entgeltumwandlung

Zahlt der Angestellte die Leasingrate ganz oder auch teilweise, überweist er die Summe allerdings nicht monatlich von seinem Konto, sondern das Unternehmen zieht sie direkt von seinem Brutto ab. „Durch diese sogenannte Entgeltumwandlung verzichtet der Mitarbeiter auf Barlohn und erhält stattdessen einen Sachbezug. Dadurch sinkt zunächst das zu versteuernde Bruttogehalt, und der Mitarbeiter zahlt darauf dementsprechend weniger Steuern sowie Sozialabgaben“, sagt Steuerberater Gero Hagemeister, Vizepräsident im Steuerberater-Verband Köln.

Dieses Verfahren spart einen Teil der Leasingrate wieder ein, sodass der Angestellte de facto weniger bezahlt als den eigentlichen Betrag. Ein Beispiel: Ein lediger, kinderloser Arbeitnehmer aus Nordrhein-Westfalen mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.500 Euro sucht sich ein E-Bike für 2.800 Euro aus. Die monatliche Rate hierfür würde rund 77 Euro betragen. Im Wege der Gehaltsumwandlung zahlt er netto jedoch nur 55 Euro.

Steuern für die private Nutzung

Es werden jedoch auch Steuern fällig: „Für die private Nutzung des Dienstrads müssen die Fahrrad-Nutzer als Sachbezug pauschal 1 Prozent des Fahrrad-Listenpreises versteuern“, erklärt Steuerexperte Hagemeister. Bei einem Rad mit einem Listenpreis von 2.800 Euro würden also 28 Euro pro Monat zusätzlich der Steuer unterliegen. Arbeit hat man damit nicht, das läuft automatisch über die Gehaltsabrechnung.

Natürlich darf man aber auch, wenn man mit dem Dienstrad zur Arbeit pendelt, die Entfernungspauschale von 30 Cent je zurückgelegtem Kilometer am Jahresende in der Steuererklärung ansetzen. Der für Dienstwagen fällige Aufschlag von 0,03 Prozent je Entfernungskilometer entfällt wiederum – ein klarer Vorteil. Nur wer sich ein zulassungspflichtiges sogenanntes S-Pedelec, das schneller als 25 Stundenkilometer fährt, aussucht, muss auch diesen Aufschlag zahlen.

Übernahme am Ende der Leasing-Spanne möglich

Nach dem Ende der Vertragslaufzeit, die wie beim Leasing üblich in der Regel 36 Monate beträgt, hat der Arbeitnehmer die Wahl: Entweder gibt er sein Rad über den Arbeitgeber an das Leasingunternehmen zurück. Oder er übernimmt es für eine Schlussrate, die oft bei nur 10 Prozent des Listenpreises liegt – ein Schnäppchen.

Doch Achtung: Hier lauert eine Steuerfalle. Denn das Finanzamt berechnet den Restwert eines Fahrrads nach drei Jahren Nutzung noch mit 40 Prozent statt mit den häufig zu zahlenden 10 Prozent. „Die 30 Prozent Bewertungsunterschied müssen dann als geldwerter Vorteil zusätzlich versteuert werden“, so Hagemeister.

Im Falle des obigen Beispiels würde der Arbeitnehmer als Schlussrate von 10 Prozent des Listenpreises noch einmal 280 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Damit hätte er insgesamt gut 2.127 Euro für ein Fahrrad gezahlt, das 2.800 Euro gekostet hat. Nicht mehr ganz so groß fällt der Vorteil allerdings aus, wenn die Differenz zwischen Bewertung des Finanzamts und der Schlussrate – im Beispiel wären das 840 Euro – zusätzlich versteuert wird. Allerdings übernehmen inzwischen etliche Fahrradleasing-Unternehmen diese Steuerzahlung für den Arbeitnehmer.


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