Metall-Tarifrunde

Die zwei Seiten der M+E-Medaille


Auch die US-Küstenwache setzt auf Reintjes

Hamelner Unternehmen für Schiffsgetriebe hat Aufträge für 25 Monate

Reintjes besetzt als Schiffbau-Zulieferer mit Erfolg eine Nische. Die hohe technische Qualität der Getriebe zeichnet den Mittelständler aus dem Binnenland aus.

Wo überall die Schiffsantriebe aus Hameln zum Einsatz kommen, zeigt ein Beispiel.

Die Welle, auf die das Motorboot zuhält, ist gigantisch. Sie überragt die Aufbauten des 15 Meter langen Schiffes um gut das Doppelte. Doch das Boot hält unbeirrt Kurs und taucht in den sich brechenden Wellenberg ein. Als das Boot wieder auftaucht, treibt es kieloben auf dem Wasser – doch in wenigen Sekunden richtet es sich auf und nimmt Kurs auf die offene See.

Umsatz wurde mehr als verdoppelt

Harte Bedingungen für die Boote der United States Coast Guard, der amerikanischen Küstenwache. Das Manövrieren bei so starkem Wellengang muss regelmäßig geübt werden, damit sichere Rettungsaktionen durchgeführt werden können.

Die Anforderungen an Mensch und Material sind extrem hoch. Das gilt besonders für den Schiffsantrieb. Da verlassen sich die Amerikaner auf die Reintjes GmbH in Hameln. Zusammen mit drei anderen deutschen Anbietern dominieren die Hamelner den Weltmarkt für Schiffsgetriebe mit Leistungen von 250 bis 30.000 Kilowatt.

Weil der Schiffsverkehr stark gewachsen ist und in absehbarer Zeit noch weiter zunehmen wird, hat Reintjes seinen Umsatz in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppeln können.

Die Beschäftigtenzahl stieg von 360 im Jahr 2005 auf aktuell 420 und soll Ende nächsten Jahres bei 500 liegen. 10 Millionen Euro investiert der Betrieb allein in diesem Jahr. In den Büchern stehen Aufträge für 25 Monate.

Die Kunden nehmen längere Lieferzeiten in Kauf, sie wollen Qualität und warten auch darauf.

Großgetriebe wiegt bis zu 80 Tonnen Insgesamt 1.500 Getriebe werden 2008 das Werk verlassen.

Während die kleinsten Getriebe aus Leichtmetall in einem Lkw Platz finden, wiegen die Großgetriebe 70 bis 80 Tonnen. Bis zu 500.000 Euro kosten sie.

Rohstoffpreise zu schwer für Radlader

Heftiger Konjunkturabsturz in der Baumaschinenbranche

Konjunkturschwankungen sind für Baumaschinenhersteller nichts Neues. „Doch einen so dramatischen Absturz haben wir lange nicht erlebt“, sagt Benedict Dunkelberg, Geschäftsführer der Ahlmann Baumaschinen GmbH in Büdelsdorf.

Nach einer „fantastischen Boomphase“ mit teilweise zweistelligen Wachstumsraten in den letzten drei Jahren steht das Unternehmen, eine Tochter der französischen Mecalac-Gruppe, jetzt vor schwierigen Zeiten.

Explodierende Rohstoffpreise, die Immobilien- und Finanzmarktkrise, eine deutlich abkühlende Konjunktur und ein hoher Euro-Kurs machen dem Hersteller von Radladern schwer zu schaffen. „Das trifft uns mit voller Breitseite“, sagt Dunkelberg.

Dabei hatte bis Anfang Juli noch alles nach einem rekordverdächtigen Geschäftsjahr 2008 ausgesehen.

„Fantastische Belegschaft“

Die Produkte der Mecalac- Ahlmann-Gruppe sind gefragt. Die Radlader zeichnen sich nämlich durch große Flexibilität aus. Sie sind sowohl als Lader, Stapler, Bagger und Werkzeugträger einsetzbar. Mit insgesamt 150 Mitarbeitern (Dunkelberg: „Eine fantastische Belegschaft.“) produzierte und verkaufte das Familien-Unternehmen zuletzt rund 600 Radlader im Jahr. Für 2008 war eine Absatzsteigerung auf rund 700 Fahrzeuge geplant.

Dann kam das erste Quartal 2008, „das einfach sensationell gelaufen ist“, sagt Dunkelberg. Die Geschäftsführung erhöhte daraufhin ihre Absatzprognose auf 900 Fahrzeuge.

Anfang Juli kam es plötzlich „und für uns alle in der Geschwindigkeit völlig unerwartet, zu erdrutschartig wegbrechenden Märkten“, so der Geschäftsführer.

Absatz sinkt um 20 Prozent

Noch nie habe sich die Lage so schnell verändert wie in diesem Jahr. Allein der spanische Markt brach wegen der Immobilienkrise um 70 Prozent ein, dann die Krise in England. Auch bei uns gibt es weniger öffentliche Bauten. Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Büdelsdorfer einen Absatz, der um rund 20 Prozent niedriger ausfallen dürfte als im Vorjahreszeitraum.

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