Flugroboter erobern den Himmel

Die zivilen Drohnen werden zum Milliardenmarkt – da heben auch deutsche Hersteller ab

Testflug der Post: Eine Paket-Drohne bringt Arznei von einer Apotheke zum Post-Tower in Bonn. Foto: dpa

Köln. Das ersehnte Päckchen – in Zukunft soll es 30 Minuten nach der Bestellung beim Kunden sein, per Drohne aus dem Amazon-Lager. So zeigt es ein Werbespot des Logistikriesen. Auch die Post experimentiert mit den ferngesteuerten Flugmaschinen.

Schon „in etwa zehn Jahren“ sei realistisch, sagt der emeritierte Braunschweiger Luftfahrttechnik-Professor Peter Vörsmann, was derzeit noch vielen Leuten als Marketing-Gag erscheint. So testet der Stromkonzern RWE mit solchen Geräten bereits die Kontrolle von Überlandleitungen. Und im VW-Werk Baunatal surren sie durch die Hallen und suchen hoch oben nach Lecks in den Druckluftleitungen.

Noch dürfen Mini-Drohnen nicht selbstständig fliegen

Als Freund und Helfer des Menschen haben die Drohnen das Zeug zum Riesenmarkt. So schätzt die Marktforschungsfirma Wintergreen Research, dass der globale Umsatz bei zivilen Anwendungen – also ohne das boomende Militärgeschäft – bereits 2018 bei 2,8 Milliarden Dollar liegen wird.

Von diesem Geschäft wollen sich deutsche Hersteller wie Aibotix in Kassel, Ascending Technologies in Krailling bei München und Microdrones in Siegen ein gutes Stück abschneiden. Denn für den zivilen Einsatz genügen oft die wenige Kilogramm schweren Mini-Drohnen mit zehn Kilometer Reichweite. Die bis zu 40.000 Euro teuren Klein-Hubschrauber können etwa drei Kilogramm Last transportieren und werden von vier, sechs oder acht Rotoren angetrieben. „Hier sind deutsche Firmen technisch führend“, sagt Jan Stumpf, Geschäftsführer bei Ascending Technologies.

Das 35-Mann-Unternehmen hat seit seinem Start im Jahr 2008 schon über 1.000 Mini-Flieger verkauft, 70 Prozent davon ins Ausland. Auch die Fluggeräte des Wettbewerbers Aibotix sind schon vielerorts im Einsatz. Dessen Chef Jörg Lamprecht berichtet: „Weil die Mehrfach-Hubschrauber ruhig in der Luft liegen, eignen sie sich gut für Kameraaufnahmen.“

Man kann mit den Drohnen Windanlagen, Staumauern, Strommasten, Brücken und Pipelines inspizieren oder Luftschadstoffe messen. Und man kann damit nach einer Katastrophe in zerstörten Gebäuden nach Überlebenden suchen.

Noch sind sie nur beschränkt einsatzfähig: Laut Gesetz muss sie ein Mitarbeiter am Boden permanent in Sichtweite haben – und jederzeit per Fernsteuerung eingreifen können. Zwar haben die Mini-Flieger wie jeder Düsenjet einen Autopiloten, eine automatische Steuerung. Doch um wirklich autonom zu fliegen, müssen sie Hindernissen ausweichen können und mehr Reichweite haben. Viel Arbeit für die Forscher.


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