Wende in der Weltwirtschaft

Die Zinsen gehen wieder rauf: Was bedeutet das für uns alle?


Köln. Ein läppisches Prozent Zinsen auf dem Festgeldkonto, enttäuschende Standmitteilungen von der Lebensversicherung – am Sparen hatten die meisten Deutschen in den letzten Jahren wenig Freude. Doch an den Finanzmärkten tut sich was, die Zinsen steigen wieder!

Experten sehen darin eine Wende in der Weltwirtschaft: Knapp fünf Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise geht es endlich zurück in den Normalmodus. „Wenn das Auto Fahrt aufgenommen hat“, sagte jetzt Ben Bernanke, der Notenbankchef und damit oberster Währungshüter der USA, „dann gehen wir langsam vom Gas.“

Ein unscheinbarer Satz – der an den Märkten Wellen schlug. „Die Zinswende wird immer deutlicher“, lieferte die „Börsenzeitung“ als Übersetzung für Großanleger in Deutschland. Dazu muss man wissen: Jahrelang hielt die US-Notenbank mit allen Mitteln die Zinsen niedrig – um die Wirtschaft anzukurbeln und die Finanzwelt zu stabilisieren. Der Kurswechsel in dem mit Abstand wichtigsten Land, das 22 Prozent der Weltwirtschaft verkörpert, gibt über kurz oder lang auch bei uns die Richtung vor.

Es wird noch dauern, bis der Zins für den Sparer auf ansehnliche Höhen steigt. Aber der Anfang ist gemacht – die Bank kann mit seinem Geld schon wieder mehr erwirtschaften. So kriegt sie, wenn sie jetzt deutsche Staatsanleihen kauft, die Hälfte mehr Rendite als Anfang Mai.

Für die Staaten heißt das freilich: Sie müssen auf ihre Schulden mehr Zinsen zahlen. Deutsche Politiker haben wenig Spielraum für ihre Wahlkampfversprechen.

Und Südeuropas Krisenstaaten müssen unbedingt auf Reformkurs bleiben. Sie sind aber auf gutem Weg, sagt Klaus-Jürgen Gern, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Der Zins auf ihre Staatsanleihen dürfte daher weiter sinken – entgegen dem von Ben Ber­nanke ausgelösten globalen Trend.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang