Ernährung

Die Wurst und der Wohlstand


Es geht um die Wurst: Komiker Karl Dall schlägt sich wacker bei einem Grill-Duell im Fernsehen. Fotos: dpa, fotolia

Warum der Fleischkonsum sinkt, wenn das Einkommen steigt

Berlin. Der Grillgeruch des Sommers ist längst verweht. Dafür strömt in diesen Tagen wieder der Duft von Gänsebraten zu Sankt Martin aus geöffneten Küchenfenstern. Wenn die Deutschen es sich so richtig gut gehen lassen, muss eben Fleisch auf den Tisch.

Der tierische Appetit be­schert der Branche satte Wachstumszahlen. Um 2,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Tonnen ist der Konsum von Fleisch, Wurst und Schinken im vergangenen Jahr gestiegen. Rund 60 Kilo verputzt jeder Deutsche im Jahr, freut man sich beim Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF). Trotzdem treibt Hersteller und Handel eine Sorge um.

20.000 Bürger gaben Auskunft

Der Fleischkonsum sinkt mit steigendem Einkommen und höherem Bildungsniveau. Das jedenfalls sagt die „Nationale Verzehrsstudie“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Fleisch droht zum Unterschichtenprodukt zu werden“, prophezeit Achim Spiller, Professor für Lebensmittelmarketing an der Universität Göttingen.

Die Studie: Rund 200.00 Bundesbürger haben ein Jahr lang ihre Ernährungsgewohnheiten penibel notiert. Männer in den oberen Einkommensschichten essen demnach 20 Prozent weniger Fleisch als die am unteren Ende der Verdienstskala.

Hauptgrund für den Fleischverzicht der Oberschicht ist ein Imageproblem. Ausgelöst wurde es durch die BSE-Krise in den 90erJahren und verstärkt durch die späteren GammelfleischSkandale. „Der Ruf der Branche ist schlechter als der von Süßwarenindustrie und Banken“, sagt Achim Spiller.

Weitere Zusammenhänge zwischen Einkommen und Ernährung kennt Thomas Vogelsang, Geschäftsführer beim BVDF: „Menschen, die körperlich schwer arbeiten, brauchen kraftvolle Nahrung, besonders Fleisch. Es sind die Männer auf dem Bau und in der Produktion, nicht die Akademiker am Computer.“

Auch regionale Unterschiede brachte die Verzehrsstudie ans Licht. So essen Männer in SchleswigHolstein mit 90 Gramm pro Tag deutlich weniger Fleisch als in Thüringen und Bayern mit 120 Gramm. Für die umwerfende Erkenntnis jedoch, dass sich die Herren der Schöpfung die Wurst grundsätzlich dicker auf das Brot legen als Frauen, hätte  man  sicher  keine  so groß angelegte Untersuchung gebraucht.

Kanzlerin lud zum Krustenbraten ein

Versöhnlich stimmt, dass sich nicht jeder an die Statistik hält. Wie der Komiker und GrillwurstFan Karl Dall, der gewiss nicht zur unteren Einkommensschicht zählt.

Oder FDPChef Guido Westerwelle, der seinen Wahlsieg mit einem Steak feierte. Dem einen zum Triumph, den anderen zum Trost: Das scheidende Bundeskabinett wurde von Kanzlerin Angela Merkel mit einem Krustenbraten verabschiedet.

Info: Jeder Deutsche isst 945 Hühner

Rund 1,1 Milliarden Tiere verspeisen die Deutschen innerhalb eines Jahres – ohne Fische und Krustentiere. Im Lauf seines Lebens lässt sich jeder Bundesbürger statistisch 4 Kühe oder Kälber, 4 Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, ebenso viele Schweine und 945 Hühner schmecken. Das hat der Vegetarierbund Deutschland errechnet. Die komplette Verzehrsstudie finden Sie im Internet unter der Adresse: www.wasesseich.de

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