Saubere Bilanz

Die Wirtschaft wächst – und stößt zugleich weniger Klimagas aus

Berlin/Essen. Zwei nüchterne Zahlen zeigen eine Erfolgsgeschichte: Um 1,6 Prozent ist Deutschlands Wirtschaft letztes Jahr gewachsen – doch der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen sank um 4,3 Prozent. Es verstärkt sich ein jahrelanger Trend. Nur 2009, in der globalen Rezession, lag der Ausstoß schon mal derart niedrig.

Die Wirtschaft steigert ihre Umweltverträglichkeit. „Relativ zur Wertschöpfung geht der Energieverbrauch tendenziell zurück“, sagt Professor Manuel Frondel vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen. „Und damit der CO2-Ausstoß. Emissionsentwicklung und Wachstum verlaufen seit Jahrzehnten nicht mehr parallel, sie haben sich entkoppelt.“ Nachhaltigkeit, immer wieder angemahnt von Politik, Kirchen und Umweltverbänden, ist also keine Utopie.

Schonender Ressourceneinsatz ist ein Erfolgskonzept. Hunderte Unternehmen, vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern, dokumentieren ihn in Nachhaltigkeitsberichten – das ist inzwischen wichtig für die Reputation bei Kunden und Investoren.

Vom Trend zur Nachhaltigkeit bei Betrieben und privaten Verbrauchern profitiert zudem eine ganze Branche: die Kreislaufwirtschaft. Weißblech, Aluminium und Papier werden bereits zu rund 90 Prozent recycelt, so die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Bei Kunststoff ist es gut die Hälfte.

So erfreulich all das fürs Klima ist: Die saubere Bilanz hat ihren Preis. „Durch die EEG-Umlage zur Subventionierung des Ökostroms bleibt privaten Haushalten weniger Geld für andere Konsumausgaben“, sagt Wirtschaftsforscher Frondel. Unternehmen hätten durch die Umlage weniger Mittel für Investitionen und damit Arbeitsplätze sowie Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten auf dem Weltmarkt.

Ohnehin lasse sich der Klimawandel nur global aufhalten: „Der Handel mit Emissionsrechten sollte deshalb weltweit ausgebaut werden“, so Frondel. Das bringe viel mehr als nationale Einzelmaßnahmen.


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