Stromversorgung

Die Windkraft-Lüge


Deutschlands ungelöstes Energie-Problem – und wie die Regierung trickst

München. So schnell kann’s gehen: „20 Millionen Haushalte sowie Teile der Stromversorgung sind bedroht“, schlug letzte Woche der Deutsche Mieterbund Alarm, als in Waidhaus an der deutschtschechischen Grenze die Pipeline mit russischem Erdgas zeitweise versiegte. Grund: die Zankereien zwischen Gazprom und der Ukraine.

Um solche Abhängigkeiten zu mindern und zugleich das Klima zu schützen, tut die Große Koalition viel – angeblich. Sie baut die erneuerbaren Energien aus: „Mindestens 30 Prozent“ sollen sie 2020 zur Stromproduktion beisteuern. Dabei ist Windkraft die „preiswerteste“ Option, sagt Umweltminister Sigmar Gabriel. Sie habe Ende 2007 schon „22.247 Megawatt installierte Leistung“ gehabt und „einen Anteil von 6,4 Prozent am Stromverbrauch“. Das „stärkt die Versorgungssicherheit“.

Nur 6 Prozent zählen wirklich

Die Zahlen klingen beeindruckend. Aber führen in die Irre. „Die Statistik vernebelt, wie gering der Wert des Windstroms wegen der Unregelmäßigkeiten des Wetters tatsächlich ist“, urteilt Professor Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München.

Zwar müssen die Versorger, auf Kosten ihrer Kunden, den Saft teuer abnehmen. Doch Sinn hält da gegen: „Wenn am Sonntagmorgen, während alle Leute schlafen, eine steife Brise weht, wissen die Netzgesellschaften nicht, wohin damit.“ Mitunter müssten sie am Markt sogar draufzahlen, um ihn loszuwerden und Über-Spannung zu vermeiden. Umgekehrt seien die 20.000 Rotoren für eine Grundversorgung etwa der Industrie wenig nütze. „Strebt man eine Versorgungssicherheit von 99 Prozent an, wie es bei der Kapazitätsplanung im Stromsektor üblich ist, so sind nur 6 Prozent der Nennleistung als gesichert anzusehen.“

Die von Gabriel gezählten 22.247 Megawatt Nennleistung bringen also viel weniger als zum Beispiel die gut 20.000 Megawatt der Atommeiler. Sinn: „Wenn wir die Atomkraft durch eine gesicherte Windkraft ersetzen wollten, müsste es achtmal so viele Windräder wie Kirchtürme in Deutschland geben.“ 130.000 Stück, jeder mit 150 Metern doppelt so hoch wie ein Kirchturm. Auch „Offshore“ hilft nicht viel: „Im Wattenmeer brächte man allenfalls ein Fünftel unter.“

Was meinen Sie – wie lösen wir das Energie-Problem?

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Schlagwörter: Energie Rohstoffe

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