Deutschlands größtes Problem

Die wichtigsten Fakten zum Thema alternde Gesellschaft

Verschaffen sich Gehör: Senioren demonstrieren Anfang November in Bremen für höhere Zuschüsse an Begegnungsstätten. Foto: dpa

Wiesbaden. 1980 stellten die Teenager die bevölkerungsreichsten Jahrgänge – 2040 werden es die 70- bis 80-Jährigen sein. Und die Zahl der Menschen im typischen Erwerbsalter sinkt in diesem Zeitraum um rund sieben Millionen. Diese Veränderung der Altersstruktur stellt unser Land vor gewaltige Herausforderungen: in den sozialen Sicherungssystemen, der Arbeitswelt und allen Bereichen der Gesellschaft. AKTIV erklärt, warum das so ist und wie sich gegensteuern lässt.

Was ist der Hauptgrund für die Veränderung?

Seit dem „Pillenknick“ Mitte der 1960er-Jahre reicht die Zahl der Babys nicht aus, um die Eltern-Generation zu ersetzen. Wie man uns dazu bringen könnte, doch wieder mehr Kinder zu kriegen, darüber streiten die Gelehrten seit langem. „Niedrige Kinderzahlen pro Frau sind kein Phänomen deutscher Lebensart“, heißt es in einer aktuellen Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock. Sondern „Folge mangelnder Angebote zur Kinderbetreuung“. Die Forscher verweisen auf die vielen Kinder der deutschen Minderheit in Belgien, wo die Kita-Versorgung besser ist.

Wie kann man überhaupt schon wissen, was 2040 ist?

Die Prognosen zur Bevölkerung sind viel verlässlicher als die zur Konjunktur – denn die Einflussgrößen „Geburtenquote“ und „Lebenserwartung“ sind erfahrungsgemäß relativ gut vorhersehbar. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden rechnet in der „Bevölkerungsvorausberechnung“ verschiedene Varianten durch. Selbst im bisher günstigsten Szenario bleibt das Demografie-Problem bestehen. Einzig eine dauerhaft sehr hohe Zuwanderung könnte daran etwas ändern. 2013 kamen per saldo 400.000 Menschen.

Wie sieht es im Ausland aus?

Die Weltbevölkerung ist letztes Jahr um 80 Millionen gewachsen – aber die Industriestaaten haben durchweg das Problem von alternden und schrumpfenden Gesellschaften. Dieses ist im EU-Vergleich am größten in Deutschland: Das „Median“-Alter, das die Bevölkerung in zwei Hälften teilt, liegt hier bei 45 und EU-weit bei 41 Jahren – und nirgends in der EU ist die Geburtenrate so niedrig wie bei uns.

Was bedeutet das für die Wirtschaft?

Das Arbeitskräfte-Angebot geht dramatisch zurück – das war schon in den vergangenen Jahren ein Grund für die sinkende Zahl der Arbeitslosen. Und überdies altern die Belegschaften in den Betrieben. Viele Firmen steuern da aktiv gegen, etwa mit Gesundheitsmanagement und neuen Arbeitszeit-Modellen. Aber nur 5 Prozent fühlen sich dabei von der Politik ausreichend unterstützt – ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Towers Watson.

Wie lange müssen wir wohl arbeiten?

Trotz der aktuellen Ausnahme-Diskussion („Rente mit 63“) steigt die Regelaltersgrenze bis 2031 auf 67 Jahre. Und die meisten Rentenexperten empfehlen, sie auch danach mit der Lebenserwartung steigen zu lassen – die 2060 sechs bis sieben Jahre höher sein wird als heute. „Ein längeres Erwerbsleben muss kein Schreckgespenst sein“, sagt Birgit Rössle, Expertin bei der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart. „Die Menschen altern gesünder als früher, und viele möchten diesen Lebensabschnitt aktiv und sinnvoll gestalten.“ Schon jetzt ist jeder Zehnte zwischen 65 und 69 berufstätig, der Anteil ist doppelt so hoch wie 1996.

Ist das Leben im Alter deprimierend?

Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hat nur jeder Zehnte 55- bis 70-Jährige negative Erwartungen an seine Zukunft. Alt zu sein, wird ja auch viel normaler.


Fakten

Deutschlands Demografie-Problem auf einen Blick

Ganz unten die Säuglinge, oben die 100-Jährigen: Die drei Schaubilder zeigen die Bevölkerung jedes einzelnen Altersjahrgangs (in Tausend). Ideal wäre eine Pyramide – und 1980 war das noch einigermaßen so. Aber Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung machen die 70- bis 80-Jährigen zum Schwergewicht.

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