Marktwirtschaft

Die Wette mit dem Kakao


Was der Osterhase mit Spekulanten zu tun hat

Bonn/Stuttgart. Seit Wochen lacht er uns aus dem Laden-Regal an, bald dürfen wir ihm endlich die Ohren abkauen: Der Osterhase gehört zum Fest, wie die bunten Eier und der Ausflug ins Grüne. Aber dieses Jahr sorgt er für Zoff.

Genauer: die Kakaobohne, der Grundstoff für Schokolade. Sie wurde seit 2006 um zwei Drittel teurer – obwohl die weltweite Ernte zuletzt stabil war. Die Schoko-Hersteller sind sauer auf die Banken, die mit Kakao spekulieren wie mit Aktien. Die Banken sagen: Wir machen nur unseren Job und sorgen für funktionierende Märkte.

„Die spielen Monopoly!“

Torben Erbrath, Geschäftsführer der „Fach­sparte Schokolade“ im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie in Bonn: „Es wird Monopoly mit Rohstoffen für Lebensmittel gespielt. Dabei gibt es genug andere Möglichkeiten für Zocker!“

Bei der Spekulation wettet man auf fallende oder steigende Preise: An den Warenterminbörsen in New York und London werden „Termin-Kontrakte“ gehandelt. Sie enthalten etwa das Recht, im März 2011 eine Tonne Kakao für 2.300 Euro zu kaufen. Falls der Marktpreis dann darunter liegt, macht der Besitzer des Kontrakts einen Spekulationsverlust. Liegt er höher, macht er einen Gewinn. Mit speziellen Papieren lässt sich der Verlust oder Gewinn relativ zum Einsatz noch steigern.

„Das ist doch sinnvoll!“

Dass das Ergebnis dem Schokoladen-Mann Erbrath nicht schmeckt, kann man verstehen. Der starke Anstieg des Kakaopreises treibt die Kosten – aber angesichts des Wettbewerbsdrucks im Einzelhandel lässt sich der Ladenpreis für den Osterhasen kaum erhöhen.

Doch es gibt noch eine andere Sicht der Dinge. Manfred Wolter, Rohstoff-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart: „Spekulation mit Lebens­mittel-Rohstoffen nimmt Bauern einen Teil der Risiken ab. Das ist doch volkswirtschaftlich sinnvoll!“

Denn die Termin-Kontrakte machen es möglich, dass die Landwirte einen Teil der Ernte schon vor der Saison zu einem festen Preis verkaufen. Das sichert sie ab – etwa gegen Unwetter oder Schädlingsbefall.

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