Demographie

Die Welt wird voller ─ und Deutschland immer leerer

Was Staat und Gesellschaft ändern müssen

 

 

Bonn. Sieben Milliarden Menschen leben mittlerweile auf der Erde. Die deutsche Gesellschaft aber schrumpft und schrumpft. Im europäischen Vergleich werden fast nirgendwo so wenig Kinder geboren wie in Deutschland. Lässt sich das ändern?

 

 

 

Darüber sprach AKTIV mit Professor Tilman Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demografie. „Bei uns ist das Sicherheitsdenken stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. Man bekommt erst Kinder, wenn man glaubt, sie sich auch leisten zu können“, so Mayer. Doch er ist überzeugt: Man kann Anreize schaffen, damit Frauen mehr Kinder bekommen.

 

 

 

Eine andere Gleichstellungspolitik

 

 

 

1. Steuererleichterungen: „Ein Problem ist, dass viele Frauen nur ein, höchstens zwei Kinder bekommen“, so der Experte, „die Schwelle vor der Entscheidung für weitere Kinder ist für die meisten Paare zu hoch.“ Das sei zum Beispiel in Frankreich ganz anders, erklärt Mayer. Dort müssen Eltern, die drei und mehr Kinder haben, kaum noch Steuern bezahlen. „Und diese Politik ist effektiv. Die Franzosen haben mehr dritte und weitere Kinder als wir.“

 

 

 

 

 

 

 

2. Chancengleichheit: „Es reicht nicht, für mehr Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu sorgen. Vielmehr geht es um mehr Gerechtigkeit zwischen Männern und Müttern.“ Denn die größten Probleme auf dem Arbeitsmarkt hätten Frauen mit Kindern. Deshalb sollten sie – bei gleicher Qualifikation – anderen Bewerbern vorgezogen werden.

 

 

 

3. Vereinbarkeit von Beruf und Familie: „Die Betreuungsangebote müssen weiter ausgebaut werden. Das gilt für öffentliche Einrichtungen und auch für die Betriebskindergärten, sofern es die Größe der Unternehmen zulässt.“ Und dabei geht es nicht nur um die kleinen, sondern auch um Schulkinder.

 

 

 

Ein Ministerium für Demografie

 

 

 

Mayer kritisiert: „Das wissen wir alles schon seit über 30 Jahren.“ Doch Familienpolitik, in der Vergangenheit als „Gedöns“ abgetan, bekam erst in jüngster Zeit einen höheren Stellenwert. „Denn mittlerweile fragen sich alle, wer in die Rentenkassen einzahlen soll und wo die Fachkräfte von morgen herkommen.“

 

 

 

Deshalb fordert der Wissenschaftler, ein Ministerium für Demografie einzurichten – so wie vor gut 25 Jahren die Umweltministerien entstanden sind.

 

 

 

Mayer: „Es wäre ein großer Schritt, wenn jemand mit Regierungsverantwortung die Probleme konkret und zentral gesteuert angehen dürfte, die der demografische Wandel mit sich bringt.“

 

 

 

Tina Schilp

 

 


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