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Leitartikel

Die Vor- und Nachteile der Netflix-Kultur

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Haben Sie schon ihren Urlaubsschmöker? Wenn nicht, sind Sie in guter Gesellschaft: Um 7,3 Millionen ist seit 2012 die Zahl derer gesunken, die im Jahr mindestens ein Buch kaufen. Nur noch 44 Prozent tun das, der rasante Rückgang geht quer durch alle sozialen Schichten. Auch die Zahl der E-Book-Käufer sinkt.

Die Buchbranche, die diese Trends jetzt veröffentlichte, sieht eine wesentliche Ursache in der Netflix-Kultur. „Die Lebenswelten der Menschen haben sich grundlegend geändert“, heißt es etwas ratlos. Sich per Internet Serien anschauen, gern auch per Laptop und mehrere Folgen am Stück – das ist angesagt, bequem und lässt zudem Raum für Multitasking. Man kann dabei Mails checken.

Wer nun den Untergang des Abendlandes befürchtet, sollte wissen: Der Boom einer neuen Unterhaltungsform war immer von Kritik und Skepsis begleitet (auch, um 1800, die „Romaneleserey“). Dass Streaming-Nutzer fast alles jederzeit gucken können, dass ihre Klick-Präferenzen sogar die Planung neuer Produktionen beeinflussen, ist Fortschritt. Will einer zurück in die starre Welt von drei TV-Sendern und schlecht bestückten Videotheken im Gewerbegebiet?

Andererseits: Die von vielen verspürte zunehmende Unruhe im Alltag und im politischen Geschehen – hat das vielleicht ein Stück weit mit diesem Thema zu tun? Grundschullehrer jedenfalls sind besorgt. Kinder von Bücher-Muffeln lernen im Schnitt ein ganzes Jahr später lesen als die aus Familien mit mehr als 100 Büchern. Sie können sich auch schlechter ausdrücken. Und in der Schule ihre Intelligenz nicht so gut zur Geltung bringen.

Das Internet bietet für Bildung mehr Chancen als je zuvor. Was wir daraus machen, hängt von uns selbst ab.


Schlagwörter: Gesellschaft

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