Urteil

Die verspätete Bahncard

Foto: Bahn

Oh Schreck, ein Kontrolleur! Da kramt so mancher Fahrgast hektisch in der Tasche. Wer in der Bahn nicht direkt ein gültiges Ticket vorweisen kann, muss nicht unbedingt ein Schwarzfahrer sein. Das zeigt das Beispiel einer Münchnerin.

Die Bahnkundin hatte Ende Januar 2012 eine Bahncard gekauft, mit der sie ein Jahr lang zum halben Preis Zug fahren konnte. Die Frau erhielt eine vorläufige Bahncard, gültig vom 20. Januar bis 19. März, bis die endgültige Karte im Scheckkartenformat angefertigt sein sollte. Damit ließ sich die Bahn jedoch reichlich Zeit.

In der Zwischenzeit – Ende April – fuhr die Münchnerin mit dem Zug nach Düsseldorf. Sie kaufte einen ermäßigten Fahrschein und zeigte ihn mit der inzwischen abgelaufenen vorläufigen Bahncard bei der Kontrolle vor. Der Beamte blieb jedoch unerbittlich und berechnete einen erhöhten Fahrpreis von 109 Euro (Fahrpreis bis zur Kontrollstelle in Würzburg 27 Euro mal zwei, plus 55 Euro für die Weiterfahrt nach Düsseldorf).

Ein Reisender ohne gültigen Fahrausweis muss das Doppelte des gewöhnlichen Fahrpreises für die zurückgelegte Strecke bezahlen, so die Begründung des Kontrolleurs. Hinzu komme noch der Preis für die Weiterfahrt, wobei er hier die Ermäßigung der Bahncard zugrunde legte.

Bahn verklagt Kundin

Die Kundin sah das anders. Sie weigerte sich zu bezahlen und legte stattdessen im Juli die endgültige Bahncard vor, nachdem diese endlich eingetroffen war. Die Deutsche Bahn wollte das nicht akzeptieren und klagte vor Gericht.

7 Euro Bearbeitungsgebühr

Die Richter entschieden zugunsten der Frau. Nach Paragraf 12 der Eisenbahn-Verkehrsordnung ist ein Reisender zwar zur Zahlung eines erhöhten Fahrpreises verpflichtet, wenn er im Zug kein Ticket vorweisen kann. Weist er jedoch innerhalb zwei Wochen nach, dass er zum Zeitpunkt der Kontrolle rechtmäßiger Inhaber eines gültigen Fahrausweises war, so wird nur eine Bearbeitungsgebühr fällig. Bei der Bahn sind das 7 Euro (manche Verkehrsverbünde verlangen mehr).

Die Frist für das Nachreichen der Fahrkarte gilt in dem Fall der Frau aus München nicht, da der rechtzeitige Versand der Bahncard nicht in der Hand der Kundin liegt, so das Gericht. Die Bearbeitungsgebühr muss die Frau aber zahlen, da sie hätte früher nachhaken müssen, wo ihre Bahncard bleibt. (Amtsgericht München, 173 C 21023/12, 27.12.2012)

Was gilt, wenn das elektronische Zugticket nicht angezeigt wird, weil unterwegs der Handy-Akku versagt? Oder wenn der einzige Automat auf dem Bahnsteig streikt? Weitere Fälle, in denen man sich gegen ein erhöhtes Beförderungsentgelt wehren kann, lesen Sie hier auf AKTIVonline.


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