Wettbewerb

Die Verfolger im Nacken


Wie sich bayerische Metall- und Elektro-Betriebe gegen Wettbewerber aus Schwellenländern behaupten

München/Ottobeuren/Selb. Egal ob Technik oder Qualität: Die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie sind mit ihren Produkten weltweit in der Spitzengruppe. Es gibt aber Verfolger, die Druck machen – und immer näher kommen.

Maschinenbauer spüren die Aufholjagd

Ins Zeug legt sich vor allem die Konkurrenz aus den Schwellenländern. Die Industrieproduktion der aufstrebenden Nationen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Speziell in Asien geht die Post ab.

Die Aufholjagd spürt auch der Maschinenbau, eine deutsche Vorzeige-Branche. „Wir sollten nicht wie das Kaninchen vor der Schlange abwarten, sondern die Konkurrenz auch auf ihren eigenen Märkten attackieren“, sagt Karlheinz Bourdon, Geschäftsführer Spritzgießtechnik der KraussMaffei Technologies GmbH.

Das Münchner Unternehmen baut Maschinen zur Kunststoffverarbeitung. Der Chef sagt, man sei der asiatischen Konkurrenz „technisch weit voraus“ – aber müsse aufpassen.

Neben kundenspezifischen Lösungen will KraussMaffei nämlich auch weiterhin Standard-Maschinen produzieren – im Ausland, wenn es sein muss. Das Werk in China etwa soll bald erweitert werden. Dort spare man Kosten und sichere so die Wettbewerbsfähigkeit des Gesamtunternehmens, erklärt Bourdon. Er warnt: „Wir dürfen uns nicht in die hochpreisigen Nischen abdrängen lassen.“

Doch genau darin lauert eine Gefahr. Davon ist Martin Eisenhut, Leiter des Industriegeschäfts der Strategieberatung Roland Berger überzeugt. Er prophezeit in seiner Studie „Production Systems 2020“ den deutschen Firmen harte Konkurrenz aus Fernost. „Leistung und Qualität chinesischer Maschinen werden immer besser und der Abstand zu den deutschen wird immer kleiner“, sagt der Branchen-Kenner.

Ein Anzeichen unter vielen: Das Reich der Mitte exportiert mittlerweile mehr Maschinen in die USA als Deutschland. Entwarnung gibt Experte Eisenhut nur für das Geschäft mit sehr komplexen und technisch hochwertigen Modellen: „Je anspruchsvoller die Maschine und je spezieller die Kundenwünsche, desto mehr sind deutsche Maschinenhersteller im Vorteil“, sagt er.

Auf dem Markt für günstigere Maschinen wird China jedoch mit Macht vorpreschen, schätzt Eisenhut. Er rät deutschen Firmen trotzdem, dagegenzuhalten: „Wir sollten diesen Markt nicht aufgeben, weil er zu den Märkten gehört, die in Zukunft am stärksten wachsen werden.“

Diese Strategie beherzigen auch schon kleinere Betriebe – etwa Otto Martin, ein Hersteller von Maschinen zur Holzbearbeitung in Ottobeuren im Allgäu. Er hat im letzten Jahr sein Produktspektrum nach unten erweitert.

„Die neuen Wettbewerber sind günstiger, deshalb müssen wir unseren Kunden entgegenkommen“, berichtet Michael Mühldorfer, Leiter des Produktmanagements sowie der Forschung und Entwicklung. Der Kostendruck kommt auch hier vor allem aus China. Die Firma fertigt daher nun auch Sägen, Fräsen, Bohrer und Hobel mit weniger Funktionen.

„In aufstrebenden Schwellenländern reichen den Kunden meist solche einfacheren Lösungen“, sagt Mühldorfer. Mit der neuen Strategie will man zunächst in Indien erfolgreich sein, später auch in Brasilien. „Wir werden dort günstigere Maschinen anbieten, aber keine Abstriche an der Qualität machen“, kündigt er an.

Spitzen-Technik sichert den Vorsprung

Die Firmengruppe Netzsch im oberfränkischen Selb – Hersteller von Pumpen, Feinmahl-Maschinen und Anlagen zur thermischen Analyse – vertraut im Kampf gegen die Wettbewerber aus Indien und China vor allem auf Flexibilität und Erfahrung. „Zwar hat die Qualität ihrer Produkte in den letzten Jahren stark zugenommen“, sagt Geschäftsführer Hanns-Peter Ohl, „noch sind wir aber besser.“ Und mit Innovationen täten sich die Konkurrenten ohnehin schwer.

Neben Spitzen-Technik und Qualität zählt für Netzsch etwa die Fähigkeit, Produkte an Kundenwünsche anpassen zu können. Firmen aus Schwellenländern könnten mit ihrer Standard-Ware von der Stange nicht voll dagegenhalten, erklärt Ohl. Sorgen wegen der Konkurrenz macht er sich daher nicht. Seine Erfahrung ist: „Der Kunde will nicht immer nur die beste oder günstigste Pumpe – sondern die, die für ihn genau passt.“

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