Energie

Die Umfaller


England, Italien und Schweden: Die Rückkehr der Kernkraft

Man fühlt sich fast an den „Domino-Day“ erinnert. Da fallen die Steinchen reihenweise um. Umgefallen ist vor genau einem Jahr Großbritannien. Die Londoner Regierung entschied: „Wir wollen mit neuen Kernkraftwerken mehr Energiesicherheit schaffen, die Klimaziele erreichen.“

Britanniens Wirtschaftsminister John Hutton: „Atomkraft ist eine sichere, saubere und kostengünstige Energie.“

Mitte vergangenen Jahres ging diese Meldung um die Welt: „Der Energiekonzern Enel will in Italien vier bis fünf Kernkraftwerke bauen.“ Industrie-Minister Claudio Scajola: „Italien wird bis 2013 mit dem Bau moderner Kernkraftwerke beginnen.“ Ministerpräsident Silvio Berlusconi relativiert: „Wahrscheinlich bauen wir sie nicht in Italien, sondern in Albanien auf der östlichen Seite der Adria.“ Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Derzeit ist im Stiefelland kein Kernkraftwerk in Betrieb. Die letzten vier wurden 1990 abgeschaltet.

Deutschland steht fast allein

Und jetzt die Schweden. Noch ein Umfaller. 30 Jahre nach dem Be­schluss zum Atomausstieg wollen die Skandinavier wieder Kernkraftwerke bauen. Ministerpräsident Frederik Reinfeldt argumentiert wie sein britscher Kollege Hutton: „Neue Kernkraftwerke sind einfach notwendig, um den Kampf ge­gen den Klimawandel zu unterstützen und den Energiebedarf unseres Landes zu vertretbaren Preisen zu decken.“

Mit seinem Atom-Ausstieg steht Deutschland in Europa fast allein. Nur Belgien ist noch mit von der Partie. Derzeit laufen hierzulande 17 Atommeiler. Bis 2021, so das Atomgesetz, ge­hen sie vom Netz. Noch haben die Kernkraftwerke einen An­teil von gut 24 Prozent (Ende 2007) an der einheimischen Nettostromerzeugung, erneuerbare Energien 12 Prozent.

Die deutschen Kernkraftwerke gelten als die sichersten der Welt, deutsches Know-how ist überall gefragt. So sollen die beiden deutschen Energieversorger Eon und RWE gemeinsam in England die geplanten Kernkraftwerke errichten.

Die Zusammenarbeit der russischen Atomenergie-Be­hör­­de Rosatom mit Siemens rückt näher. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin: „Die Zeit ist reif für eine vollwertige Partnerschaft.“ Bei den Russen sind über 20 neue Kernkraftwerke in Planung.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Energie Umwelt

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang