Messe-Neuheiten

Die Top-Trends bei der Kunststoff-Entwicklung


Hightech: Spezialfolien im Hochregallager der Firma Orafol in Brandenburg. Foto: DPA

Düsseldorf. Kunststoff ist ein starker Werkstoff: Jetzt ersetzt er sogar in Fußgängerbrücken Holz und Stahl! Dass der Tausendsassa für Innovationen gut ist, wird die Kunststoff-Messe K 2013 in Düsseldorf (16. bis 23. Oktober) zeigen. Rund 3.200 Aussteller erwarten dort 200.000 Besucher.

Die Leistungsshow kommt der Plastik-Industrie gerade recht. Denn im vorigen Jahr gab es einen Dämpfer. „Die Erzeugung sank um 3 Prozent, auch der Umsatz gab nach“, berichtet Rüdiger Baunemann, Geschäftsführer des Erzeugerverbands PlasticsEurope in Frankfurt. Nach zuletzt 81 Milliarden Euro Umsatz bei Erzeugern und Verarbeitern von Kunststoff erwartet die Branche (2.900 Betriebe, 336.000 Beschäftigte) in diesem Jahr nur ein kleines Plus. Nun soll die Messe Anschub bringen.

Etwa von der Auto-Industrie. Aktuell bestehen Pkws zu 15 Prozent aus Kunststoff, schon 2020 sollen es 25 Prozent sein. Immer mehr Bauteile in des Deutschen liebstem Kind sind aus dem Werkstoff, selbst Tank, Saugrohr oder Auspufftopf, berichtet Baunemann. „Wer Gewicht spart, spart Sprit und schont so das Klima.“

Viele Forscher tüfteln für den Auto-Leichtbau

Abspecken ist angesagt. Faserverstärkte Kunststoffplatten (Organobleche), die sich durch Erwärmen und anschließendes Pressen in jede Form bringen lassen, sollen Stahl und Alu möglichst ersetzen. Zum Beispiel in Karosserie-Teilen, Türversteifungen oder Sitzschalen.

„Bisher jedoch dauerte das Aushärten der fertigen Teile zu lange“, weiß Peter Heidemeyer, Geschäftsführer am Kunststoff-Zentrum in Würzburg. „Jetzt schaffen wir in der Herstellung Taktzeiten von unter einer Minute. Damit sind die Maschinen endlich schnell genug für die Serienfertigung in Autofabriken.“

Und Kunststoff-Folien werden immer dünner. „Man baut sie heute aus bis zu neun Schichten verschiedener Kunststoffe auf und spart so bis zu 30 Prozent Material“, erklärt Heidemeyer. Dennoch schützen die Folien wirksam empfindliche Elektronik und Lebensmittel vor Schäden oder Verderb.

Groß im Kommen sind Holz-Kunststoff-Gemische. „Bis zu 50 Prozent Holzspäne machen sie beständig wie Tropenholz.“ Gefragt sind sie als wetterbeständiger Belag für Terrasse und Balkon sowie im Autobau. Schon werden davon weltweit jährlich 1,5 Millionen Tonnen produziert.

Auch beim Recycling gibt es Neues. Zwar werden laut Umweltbundesamt 99 Prozent der 5,5 Millionen Tonnen Plastikmüll verwertet, aber nur aus 42 Prozent entstehen neue Produkte. Wiederverwerten möchte man etwa Wasch- und Putzmittelflaschen. Ein neues Verfahren dafür testet derzeit das Chemie-Unternehmen Werner & Mertz („Frosch“) in Mainz.

Übrigens

Foto: Demange

Bayer hebt ab – auch in der Musik

Leverkusen. Erstaunliches aus Kunststoff von Bayer: Mit einem Violoncello aus dem Material sollen Kinder und Jugendliche besser musizieren lernen. Der Prototyp ist leichter als sein Vorbild aus Holz. Lichteffekte zeigen, ob man richtig spielt.

Für einen neuen Rekord hat Bayer MaterialScience die ultraleichten Werkstoffe geliefert: Der Schweizer Bertrand Piccard hat mit dem Flieger „Solar Impulse“ jetzt die USA überquert, 5.600 Flugkilometer allein mit Sonnenstrom. Das Flugzeug wiegt gerade mal 1.600 Kilo.

Das Projekt zeigt, was Kunststoffe heute leisten. 242 Millionen Euro steckte die Bayer-Sparte im vorigen Jahr in die Entwicklung und meldete fast 200 Patente an. 11,5 Milliarden Euro setzten die 14.500 Mitarbeiter zuletzt um. Eine Spezialfolie soll die Displays im Auto aufmotzen. „Sie macht dreidimensional geformte Bildschirme mit gestochen scharfer Anzeige möglich“, so Bayer-Experte Oliver Bruns.

Foto: Werk

BASF gibt nicht nur Joggern Schub

Ludwigshafen. Millionen Deutsche joggen. Ganz wichtig sind dabei gute Laufschuhe. Sie sollen den Aufprall dämpfen und beim Abdrücken Schub geben. So einen Hightech-Treter hat jetzt Adidas entwickelt. In ihm steckt eine Sohle aus ­einem neuen Schaumstoff des Chemiekonzerns BASF. „Er gibt einen Großteil der Energie an den Läufer zurück“, erklärt Forscher Frank Prissok.

Mit der Neuheit setzt der Anfang 2013 im BASF-Konzern neu geschaffene Bereich Performance Materials gleich eine Duftmarke in Sachen Know-how. Die Sparte setzte im ersten Quartal 1,6 Milliarden Euro um.

Weit fortgeschritten ist die Arbeit an einem neuen Hochleistungsdämmstoff, der deutlich dünnere Platten als bisher ermöglicht. Zudem tüfteln BASF-Forscher an einem Schaum für Verpackungen auf Basis von Bio-Kunststoffen.

Und fürs Recycling haben sie Zusatzstoffe entwickelt, die die Eigenschaften der Rezyklate verbessern. Damit aus Plastikflaschen wieder Becher werden und nicht nur Textilfasern.

Foto: Werk

Wacker forscht für den Haushalt

München. Noch sorgen bei geschlossener Kühlschranktür kleine Magnete für die Haftung. Bald ist der Gummi selbst magnetisch, weil er Metallpartikel enthält. Den Silikonkautschuk dafür haben Forscher des Konzerns Wacker Chemie in München entwickelt. Insgesamt investierte der Konzern im vorigen Jahr 175 Millionen Euro in die Forschung. Mehr als 100 Patente melden seine Tüftler pro Jahr an.

Neu sind auch hitzeresistente Silikone für Backöfen oder Autoteile. „Die halten bis zu 300 Grad Celsius aus“, sagt Wacker-Experte Wolfgang Schattenmann. Und ein neues Bindemittel verwandelt steifen Bio-Kunststoff in Folien.

Foto: Werk

Alphacan Omniplast bringt neuen Rohrtyp

Ehringshausen. Sie sind ein Massenprodukt: Und doch gibt es bei Kunststoffrohren für Wasser und Abwasser Neues. Der Hersteller Alphacan Omniplast im hessischen Ehringshausen hat „einen neuen Hochleistungstyp auf den Markt gebracht“, berichtet Entwicklungsleiter Klaus Ullmann.

„Dank einer verbesserten Rezeptur sparen wir 30 Prozent Wanddicke ein und bieten doch mehr Festigkeit.“ Die Rohre eignen sich für von Lkws befahrene Straßen sowie Industrieanlagen. „Das verschafft uns Vorsprung im Wettbewerb“, sagt Ullmann. Der 175-Mitarbeiter-Betrieb verkauft rund ein Drittel der Produktion im Export.

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