Leitartikel

Die „Share Economy“ und die Natur des Menschen

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Dinge miteinander teilen – das gibt es seit der Steinzeit. Aber uralt ist auch der menschliche Trieb, den Wohlstand in der eigenen Höhle sozusagen mit der Keule in der Hand zu verteidigen. Deshalb ist jetzt die Politik gefordert: Sie muss dafür sorgen, dass wir uns in der „Share Economy“, der modernen Ökonomie des Teilens, nicht die Köpfe einschlagen.

Denn das Internet macht das Teilen supereinfach. Mit dem Share-Button beglücken wir unsere Facebook-Freunde mit coolen Inhalten – ohne zu sinnieren, ob deren Produzenten auch auf ihre Kosten kommen. Gespannt verfolgen wir den Zoff zwischen Taxifahrern und der App-gestützten Mitfahrbörse Uber. Aber wenn statt Autos zum Beispiel Programmier-Kapazitäten geteilt werden und die Industrie per „Crowdsourcing“ Aufgaben billig von Online-Plattformen erledigen lässt, dann hört der Spaß auf. Oder?

Angesichts dieses Spannungsfelds von gefühlten Chancen und Gefahren sollte man den neuen EU-Internetkommissar Günther Oettinger in seiner Rolle nicht unterschätzen. Er ist nicht bloß eine Art Chefbauleiter für Datenautobahnen (auch wenn er sich auf diesem Feld profilieren wird, indem er den Netzbetreibern Anreize zum Investieren verschafft).

Oettingers Kernanliegen ist es, den Europäern die Angst vor der digitalen Revolution zu nehmen. Dazu wäre es hilfreich, wenn die Pioniere der Share Economy nicht alle aus Amerika kämen, wie Uber oder die Übernachtungs-App „Airbnb“. Oettinger muss darauf drängen, dass die nationalen Regierungen kreative Unruhestifter nicht ausbremsen, sondern sie machen lassen. Strukturwandel zu pushen und zugleich sozialverträglich zu gestalten, ist Aufgabe der Politik. Seit Urzeiten.


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