Standpunkt

Die Sache mit der Gleichheit

Was Arbeit wert ist, lässt sich nicht and er Stechuhr ablesen

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Das klingt gut, zumindest nach einer vertretbaren Forderung. Aber es ist in der Regel bloß Reklame. Die gewerkschaftliche Praxis hinter der Pappe steht quer dazu.

Triviales Beispiel: Wer mit Grippe das Bett hütet, bezieht für bis zu sechs Wochen den gleichen Lohn wie die arbeitenden Kollegen – für diese Regelung sind sämtliche Gewerkschaften sogar zu streiken bereit.

Mit der Gleichheit ist es eben so eine Sache. Es gibt zwei schlagende Argumente für die Behauptung: Was als „gleiche Arbeit“ zu gelten hat, lässt sich meist  nicht an der Stechuhr ablesen.

Zum einen: Nicht die Aufgabe, sondern ihre Lösung bestimmt den Wert von Arbeit. Eine Vergütung nach „Stellenbeschreibung“ mag nicht nur im öffentlichen Dienst unvermeidbar sein, sie ist aber selten leistungsgerecht.

Zum anderen: Für den Wert der Arbeit ist nicht nur die reguläre Stundenzahl wichtig, sondern auch die Verfügbarkeit. Es „lohnt“ sich, Arbeitnehmer im Haus zu haben, die für Überstunden und Sonderschichten abrufbar sind.

„Gleiche Arbeit“ kann also durchaus unterschiedlich viel wert sein. Wenn Gewerkschaften die Arbeit außerbetrieblicher Zusatzkräfte teurer machen wollen, weil diese „gleiche Aufgaben“ hätten wie die Stammbelegschaft, dann treibt nicht Gerechtigkeit sie um, sondern Konkurrenz-Sorge: Je unwirtschaftlicher die Beschäftigung von Außenseitern ist, desto geruhsamer läuft der Innenbetrieb.

Und damit zum sachlichen Kern: Wo immer eine Gruppe von Arbeitnehmern (ob Leiharbeiter, Migranten oder Frauen) für tatsächlich, und das heißt betriebswirtschaftlich gleiche Arbeit schlechter bezahlt würde, wären starre Lohn-Regeln eine zweifelhafte Lösung. Diejenigen, die das  fordern, haben in der Regel Hintergedanken: Gewerkschafter die Wegbeißerei, Politiker den Stimmenfang.

Besser, man ließe das den Markt besorgen. Wenn man glaubt, dass die Unternehmer bei den „Benachteiligten“ die wirklich gleiche Arbeitsleistung günstiger einkaufen könnten – warum lässt man sie es nicht tun? Der Arbeitsmarkt für Leiharbeiter, Migranten, Frauen wäre also jeweils leer gefegt, die Leute würden knapp. Logische Folge wäre ein Lohn-Schub für die betroffenen Gruppen – ganz im Sinne der Gleichheitsidee.

So, und nicht anders, kann sogar ein vorgeblich gut gemeinter Reklamespruch wirtschaftspraktisch wahr werden.


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