Globalisierung

Die Rückkehr der Entfernung


Teurer Transport: Kommen jetzt sogar die Jobs zurück?

Nordseekrabben haben’s gut: Selbst nach ihrem Ableben sehen sie noch was von der Welt. Und begegnen im Jenseits sogar Afrika.

Weil das Pulen der kleinen Viecher in Deutschland nämlich zu teuer ist, werden sie dafür nach dem Fang mal eben ins Niedriglohnland Marokko gekarrt.

Was anschließend nackig ohne Schale wieder zurückschippert, steht dann später, nach einem netten 6.000-Kilometer-Trip, als Billig-Salat in deutschen Supermärkten. Die Globalisierung, und mit ihr die internationale Arbeitsteilung, macht eben selbst vor Garnelen nicht halt.

Standort D wieder interessanter

Nach Einschätzung von Jeff Rubin, dem Chef-Ökonom der kanadischen Investmentbank CIBC, könnte sich das eines Tages ändern – wenn der Ölpreis auch in den nächsten Jahren immer wieder neue Rekordhöhen erklimmt. Rubin behauptet: „Die Globalisierung ist umkehrbar!“

Seine These wird auch von anderen namhaften Experten geteilt: Hohe Treibstoffpreise verteuern empfindlich den Transport von Waren rund um den Globus, egal ob per Lkw, Schiff oder Flugzeug.

Und wenn bei einigen Produkten der Transport irgendwann zu teuer wird, ändert sich die internationale Arbeitsteilung. Professor Thomas Straubhaar, Chef des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI: „Wenn der Transport der Shrimps nach Marokko zu teuer wird, dann kommen eben die Marokkaner zum Pulen zu uns an die Nordsee.“ 

Kostenvorteil wird fast aufgezehrt

Bremst der hohe Ölpreis also tatsächlich die Globalisierung aus? Bringt er vielleicht sogar Industrie-Jobs zurück, die auf ewig ans billigere Ausland verloren schienen?

Hoffnung darauf nährt auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers: Jeder vierte deutsche Mittelständler glaubt, dass die steigenden Transportkosten die Produktion im Inland wieder interessanter macht – gegenüber der Beschaffung etwa in China oder Indien.

Peter Oberegger, Chef des Wuppertaler Hausgeräte-Herstellers Vorwerk: „Langfristig zehren die hohen Energiepreise den Kostenvorteil asiatischer Länder fast auf.“

„Globalisierung auf Pump“

In der Tat ist der Anteil der Treibstoff- an den gesamten Transportkosten in der jüngeren Vergangenheit förmlich durch die Decke geschossen. Machten die Preise für Diesel und Kerosin 2001 nur 20 Prozent der Transportkosten aus, stieg dieser Wert im Juni auf 50 Prozent. Auch nach dem jüngsten Rückgang liegen die Preise noch ein Vielfaches über dem Stand vom Anfang des Jahrzehnts.

Kein Wunder, dass Logistik-Unternehmen unter Preisen ächzen. Und reagieren. So reduzieren beispielsweise Frachtschiff-Kapitäne derzeit das Tempo ihrer Pötte, um Schiffsdiesel zu sparen. Trotz allem: Ein Abgesang auf die internationale Arbeitsteilung wäre wohl verfehlt. „Die Globalisierung geht weiter, nur nicht so zügellos“, meint Martin Stuchtey, Logistikchef der renommierten Berater-Firma McKinsey. Die Transportkosten seien zuvor schlicht zu billig gewesen, „das war Globalisierung auf Pump“. In Zeiten teuren Öls müsse man nun eben „schlauer transportieren“.

Bei unseren weit reisenden Nordseekrabben ist genau das jetzt passiert. Statt wie früher per Lastwagen reisen die Meeresfrüchtchen neuerdings per Schiff nach Marokko. Ist billiger.

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