Demographie

Die Rocker gehen in Rente


Der Motorrad-Branche bricht der Nachwuchs weg. Woran liegt das?

Knatternde Motoren un­term Hintern, das lange Haar flatternd im Wind, Benzin im Blut und die große Freiheit im Kopf – lange Zeit galten Motorradfahrer als Re­bellen auf zwei Rädern. Unangepasst waren sie, so wie Billy und Wyatt, die Filmhelden aus „Easy Rider“. Vor allem aber wa­ren die Biker eines: jung!

Das hat sich gründlich geändert. Deutschlands Motorradfahrer werden immer älter. Vor zwei Jahrzehnten waren gut 60 Prozent der Biker Teens und Twens – inzwischen liegt dieser Wert laut Kraftfahrt-Bundesamt nur noch bei 10 Prozent. Der Nachwuchs fehlt.

Das Durchschnittsalter der Zweiradfahrer ist mittlerweile auf 42 Jahre geklettert, Tendenz steigend. Wer sich heute schon anschauen will, wie der demografische Wandel unsere Ge­sellschaft verändert, dem reicht ein Blick in einen Biker-Biergarten bei schönem Wetter. Die dort dominierende Haarfarbe ist – grau.

Gesamtmarkt noch ausgeglichen

Der heimischen Zweiradindustrie, mit mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen kein unwichtiger Industriezweig, kann das kaum gefallen. Derzeit jedoch gibt man sich noch entspannt und verweist auf die hohe Kaufkraft der reiferen Motorradfans. „Die Wahl des Motorrads, des Zubehörs und der Reiseziele fällt bei einem durchschnittlich 42-Jährigen eben etwas üppiger aus als bei einem 25-jährigen Fahrer“, sagt Achim Marten, Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland (IVM).

Zwar musste die Branche im vergangenen Jahr einen leichten Absatz-Rückgang bei Mo­torrädern verkraften. Doch ihr Umsatz blieb insgesamt stabil: Die Leute kauften entsprechend mehr Roller – die mit we­niger Treibstoff auskommen.

Teurer Lappen fürs Zweirad

Der demonstrativen Gelassenheit zum Trotz: Die Branche hat das Problem des ausbleibenden Nachwuchses erkannt. Und sie bemüht sich gegenzusteuern. Auf der Internet-Plattform www.vivalamopped.com versucht sie beispielsweise, junge Menschen wieder für den Bike-Führerschein zu begeis­tern. Hintergrund: Seitdem Jugendliche bereits mit 17 Jahren begleitet Autofahren dürfen, entscheiden sich immer  weniger für den teuren Zweirad-Lappen.

Der nämlich kostet in Deutschland mindestens 1.500 Euro. „Für manchen potenziellen Motorradeinsteiger ist das sicher eine Hürde“, glaubt auch IVM-Sprecher Marten.

In Ländern wie Italien ist die Fleppe deutlich günstiger zu haben. Auswirkung: Das Stiefelland hat Deutschland längst als Motorrad-Markt Nummer eins abgelöst.

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