Engagement

Die Retter der Schwimmbäder

Wieder flüssig: Werner Cornelius und der Förderverein halfen, das Freibad in Friedrichsthal zu erhalten. Foto: Sandro

Clevere Ideen sparen Geld aus dem Stadtsäckel

Köln. Die Zahl der öffentlichen Schwimmbäder nimmt rapide ab. In den letzten zehn Jahren mussten 1 100 von 7 800 Bädern schließen. Doch immer mehr Bürger, Fördervereine oder Unternehmen lassen sich etwas einfallen, um die beliebten Sportstätten in ihrer Umgebung zu retten.

Die Hilfe ist dringend nötig. „Denn kein kommunales Bad schreibt schwarze Zahlen“, weiß Christian Kuhn vom Sportstättenbetreiber DSBG in Herne. Auf eine 3-Euro-Eintrittskarte legen die Städte und Gemeinden im Schnitt 7 Euro drauf. Zudem stehen in vielen Bädern kostspielige Renovierungen an. „Der Sanierungsstau beläuft sich bundesweit auf 10 bis 15 Milliarden Euro“, so Kuhn zu AKTIV.

Angesichts eines kommunalen Schuldenbergs von insgesamt 133 Milliarden Euro führt ein drohender teurer Umbau schnell zum Aus. Dabei lassen sich Bäder mit weniger Steuergeldern erhalten, wie diese Beispiele zeigen.

  • Der Förderverein. Den Weg gingen Werner Cornelius und seine Mitstreiter im saarländischen Friedrichsthal. „Allein hätte die Stadt die Kosten für die Sanierung des Freibads nicht stemmen können“, berichtet Cornelius, damals Bürgermeister der Stadt. Badefans gründeten einen Verein und halfen tatkräftig mit. Stolze 780 000 Euro trommelten sie bisher zusammen – für beide Bäder der 11 000-Einwohner-Stadt. Die Kommune investierte etwa 2 Millionen Euro.
  • Der Betreiberverein. Im westfälischen Minden stemmen 50 ehrenamtliche Helfer und ein Schwimmmeister den Betrieb des Sommerbades. Die Stadt hat es für 1 Euro im Jahr an den Verein verpachtet. Dessen Vorsitzende Kathrin Kosiek sagt: „Rund 100 000 Euro benötigen wir für den Betrieb im Jahr. Die holen wir über Spenden, Saisonkarten sowie Werbeaktionen herein.“
  • Die DLRG. Auch die Lebensretter betreiben Freibäder und entlasten die Kommunen. Klaus Wilkens, Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs- Gesellschaft, erläutert das Motiv: „Die Hälfte der Schüler kann nach der vierten Klasse nicht sicher schwimmen. Das wollen wir ändern.“
  • Partner aus der Wirtschaft. Dafür entschied sich das rheinische Bedburg, als das marode Hallenbad zur Sanierung anstand.

Die Stadt beauftragte die Firma Monte Mare mit Neubau und Betrieb eines Sport- und Wellness-Bads. Bürgermeister Gunnar Koerdt: „Das können Privatfirmen viel besser als Kommunen.“ Die Stadt zahlt dafür nun 600 000 Euro im Jahr – 400 000 Euro weniger als bei einem Eigenbau. 19 solcher Kooperationen gibt es bundesweit bereits – Tendenz steigend.

Oase oder Tümpel: Wie sieht das Angebot in Ihrer Stadt aus?


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