Innovation

Die rettende Idee?


Ein spezieller Stoff soll Strände vor Ölpest schützen

Emsdetten. Einen Blick in die Produktion werfen? Dort gar Fotos machen? Dieses Mal: keine Chance! Denn der brandneue Stoff, den Vlies-Spezialist TWE in seinem Emsdettener Werk produziert, ist eben erst zum Patent angemeldet worden – könnte aber sofort ein Verkaufsschlager werden. Am Golf von Mexiko. Und später immer dann, wenn ein Öltanker oder eine Bohrinsel für triste Schlagzeilen sorgt: Das neue TWE-Vlies soll die Ölpest am Strand bekämpfen.

Die aktuelle Umwelt-Katastrophe war sogar direkter Auslöser für die Innovation. Die jungen Schweizer Firmen HeiQ und Beyond Surface machten sich ganz bewusst auf die Suche nach einer Chemikalie, die Öl aufnimmt, aber Wasser abstößt.

Test am Golf von Mexiko

Die „Neue Züricher Zeitung“ staunte über das Tempo der Ausrüstungsspezialisten: „Innerhalb eines Monats“ sei man schon fündig geworden. Kurz darauf sei US-Militär zu HeiQ gereist, um die „Oilguard“ getaufte Technologie unter die Lupe zu nehmen.

Wird nun diese neue Chemikalie in TWE-Vliesmatten eingebracht, ergibt sich ein erstaunliches Produkt: Der imprägnierte Stoff kann Öl bis zum Siebenfachen seines Eigengewichtes aufnehmen. Damit sollen sich die Vliesbahnen einerseits zum Schutz noch unverseuchter Strände eignen, andererseits aber auch zur Reinigung ölverschmutzter Küsten. Ob das Produkt bei Wind und Wetter tatsächlich hält, was es im Labor versprochen hat, ist im Juli getestet worden – vor Ort, am Golf von Mexiko.

Mit Erfolg, wie Oilguard-Sprecherin Barabara Schädler betont: „Wir waren sogar ein wenig überrascht, dass das Vlies alle Sorten Öl aufnehmen kann, die derzeit an den Stränden ankommen: Rohöl, chemisch zersetztes Öl und kleinere Teerklumpen.“

Die Tests dauerten bei Redaktionsschluss an. Unter anderem ging es noch darum, wie große und lange Flächen am Strand befestigt werden können. Finden die US-Behörden oder andere potenzielle Kunden Gefallen am neuen Textil, kann in Emsdetten (und anderen TWE-Werken) sofort losgelegt werden. 20.000 Quadratmeter  Strandschutz  pro Tag können laut Schädler schon jetzt produziert werden: Jede Bahn kann bis zu 5,3 Meter breit und bis zu 150 Meter lang sein.

Günstiger als die Reinigung

Zum Preis des Produktes schweigt man sich in Emsdetten noch aus. Dass Vorbeugen aber auch hier günstiger wäre als Heilen, steht für TWE-Geschäftsführer Jörg Ortmeier fest: „Das Vlies verhindert die Kontamination der Strände und senkt die Kosten für den Schutz und die Reinigung deutlich“, sagt er.

Zumal das im Stoff gesammelte Öl sich sogar noch etwas nützlich machen soll: Die damit  vollgesogenen Vliesmatten werden verbrannt – und erzeugen so wenigstens noch etwas Energie.

www.oilguard.org

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